Karen Haust, Einkäuferin beim Online-Shop About You, über die Bedeutung von Logos, Schulterpolstern und Rainbow-Mustern für die anstehende Orderrunde.

TextilWirtschaft: Frau Haust, wie lief die Saison Frühjahr/Sommer 2018 für About You?
Karen Haust: Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf dieser Saison. Dazu haben auch maßgeblich die vergangenen warmen Wochen beigetragen. In den ersten, noch kalten Monaten des Frühjahrs haben wir vor allem Jeans sehr gut verkauft. Zuletzt haben wir gute Umsätze mit T-Shirts und Kleidern gemacht.

Welche Hosen, Kleider und Shirts sind dabei besonders beliebt?
Wie im vergangenen Jahr haben wir Shorts sehr gut verkauft. Blumen- und Streifenmuster laufen auf Kleidern, Blusen und Shirts gut. Sie funktionieren außerdem im sportiven Style mit Logo im Stil der 90er Jahre.

Und welche Marken zählen zu den Topsellern?
Aktuell sind Ellesse, Fila, Pepe Jeans, LTB, Moss Copenhagen und Guess stark.

Gab es denn auch Produkte, die Ihre Erwartungen übertroffen haben?
Es gab eine starke Nachfrage nach Anoraks mit Half-Zip. Wir hatten zwar einige eingekauft. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass die Nachfrage danach so hoch sein würde.

Für den Fall, dass solch ein überraschendes Trend-Thema aufkommt: Welche Anbieter zeichnen sich durch eine schnelle Reaktionsfähigkeit aus und bieten kurzfristige Programme?
Die dänischen Brands sind diesbezüglich extrem stark, zum Beispiel MbyM, Bestseller und Ichi. Ansonsten können wir bei Marken wie Eksept oder Urban Classics während der Saison einkaufen, aufgrund der Sofortprogramme und des NOS-Programms.

Planen Sie, die Vororder für kommendes Frühjahr zu reduzieren?
Wir halten uns zwar immer einen gewissen Prozentsatz für die Nachorder zurück. Aber wir kaufen regulär den größten Teil im Vororder-Geschäft. Denn die meisten Marken sind noch gar nicht für ein großes In-Season-Business aufgestellt.

Welches Thema beschäftigt Sie in Hinblick auf die Order derzeit?
Wir haben gelernt, dass wir Produktgruppen noch stärker nach wetterbedingten Bedarfsänderungen einsteuern können. Mit T-Shirts haben beispielsweise im Abverkauf erst wirklich im März angefangen. Und die Nachfrage nach Jeans geht bei den momentan sehr warmen Temperaturen zurück.

Apropos Jeans: Welche Silhouetten waren am stärksten?
Nach wie vor ist absatzseitig die Skinny unsere stärkste Silhouette. Aber auch Straight und Mom’s Fits haben sich extrem gut entwickelt. Ihr Umsatzanteil wird immer größer. Außerdem haben verkürzte Modelle — ob Straight oder Skinny — im Absatz stark gewonnen.

Auf welche Jeans setzen Sie zum Frühjahr 2019?
Die kommerziellen Silhouetten werden wieder Skinny, Straight und Mom’s Jeans sein, meist als verkürzte Version. Als neue Silhouette kommt die cropped Wide Leg, welche wir allerdings im ersten Schritt als spitzes Thema sehen.

An welche Waschungen und Dekorationen glauben Sie dabei?
Als Deko sind Galonstreifen, Tapings, Workwear- und destroyed Details im Trend. Die Waschungen sind clean und bleached.

Welche modischen Themen bleiben relevant, unabhängig von Denim?
Wir setzen weiterhin auf den Sportswear-Trend und Boho-Themen.

Sind im Zuge des Boho-Trends auch handwerkliche Details und natürliche Qualitäten wie Leinen für Sie wichtig?
Ja, diese Styles haben wir jetzt schon viel gesehen und wir glauben, dass es ein sehr kommerzieller Trend fürs kommende Frühjahr wird.

Der Sportswear-Trend ist ja nun bereits einige Saisons tonangebend. Wie stark schätzen Sie Logos ein? Wie müssen diese erneuert werden?
Ich glaube, dass Logos weiterhin ein großes Thema sein werden. Die Marken entwickeln sich bei diesem Thema momentan deutlich weiter und zeigen nicht mehr nur das klassische Logo-T-Shirt, sondern arbeiten auch mit unterschiedlichen Materialien wie Tapes. Ich denke, dass die Logos eher kleiner und auf anderen Flächen platziert werden. Zusätzlich werden neue Marken dazukommen, die man bei diesem Thema bisher noch nicht so stark gesehen hat.

Wie stark bleibt der Oversize-Trend?
Oversize spielt natürlich eine große Rolle. Aber ich denke, dass die Silhouetten sehr vielfältig werden. Die High Waist-Skinny wird stärker werden und auch konfektionierte Artikel werden stark besprochen. Im Kleiderbereich werden wir Oversize-Styles sehen, aber auch enge Silhouetten mit Schulterpolstern. Übrigens wird auch die Midi-Länge weiterhin sehr präsent sein. Gleiches gilt für cropped Tops im jungen Bereich.

Sie haben konfektionierte Artikel angesprochen. Ist Tailoring ein starkes Thema für About You?
Ja, wir bemerken jetzt schon, dass der Absatz von konfektionierten Hosen und Blazern bei uns steigt und es somit auch ein starkes Thema für uns wird. Die Herausforderung für uns als Online-Händler liegt allerdings gerade bei diesem Thema im Retourenbereich, da diese Artikel sehr passformabhängig sind.

Tailoring ist eine Möglichkeit, um dem Overload an Sportivität im Look einen neuen Dreh zu verpassen. Was noch?
Die sportiven Styles werden in der neuen Saison oft mit Workwear kombiniert. Das gibt dem ganzen einen neuen Look. Dies zeigte sich bereits beim diesjährigen Coachella-Festival, wo neben dem Boho-Hippie-Style der neu interpretierte Sportslook oft zu sehen war.

Wie werden Ihrer Meinung nach Streetwear-Einflüsse neu interpretiert?
Ich glaube an die College-Einflüsse: Das Polo wird also wieder stark zu sehen sein. Außerdem Unisex-Styles und cleane Jeans-Waschungen wie von Polo Ralph Lauren und Fred Perry.

In dieser Saison waren außerdem Farben und Muster stark. Welche stehen für die kommende Order im Fokus?
Wir sehen Streifen- und Blumenmuster weiterhin als extrem stark an, aber auch Rainbow- und Folklore-Muster Die Farben Gelb, Grün sowie Beerentöne und Flieder liegen dabei im Trend.

Was definieren Sie als Must-haves und Key-Looks fürs Frühjahr?
Durchgeknöpfte Overalls sowie Kleider in Naturmaterialien, beispielsweise Leinen, mit großen Knöpfen in Hornoptik. Außerdem smocked cropped Tops mit Wide Leg Jeans sowie Workwear-Hosen mit cropped Jeansjacken.

Weitere Stimmen zur Orderrunde im Urbanwear-Markt lesen Sie in der kommenden Ausgabe der TextilWirtschaft. Ab Mittwoch, 20. Juni, 18 Uhr, in der TextilWirtschaft auf dem Smartphone oder Tablet für Android sowie iOS und ab Donnerstag, 21. Juni, in der gedruckten Ausgabe.
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