Design in der Isolation: Katja Foos, Director Design bei Marc Cain

"Not macht erfinderisch"

Marc Cain

Wie sieht es in den Ateliers der Kreativen derzeit aus? Wo lassen sie sich inspirieren, wenn Reisen außer Frage stehen? Von digitalen Fittings bis zur neuentdeckten Ruhe als Inspiration: So verläuft der Designprozess in Corona-Zeiten. Katja Foos, Director Design beim DOB-Premium Anbieter Marc Cain, über neue Arbeitsweisen und Kreativität.

TextilWirtschaft: Wie sieht die Arbeit der Kollektionserstellung im Moment konkret aus?
Katja Foos: Wir arbeiten wie bisher auch im Bereich Design mit der Verantwortung und dem Bewusstsein für den Ausgangspunkt unseres Unternehmens – sprich unsere Kollektionen. Natürlich beachten wir dabei die vorgegebenen Sicherheitsvorkehrungen und die Hygienemaßnahmen, so zum Beispiel den körperlichen Abstand und Zusammenkünfte von maximal drei Personen. Das lässt auch bereits neue Prozesse entstehen. Die Anproben werden mit dem Tablet fotografiert, die Fotos direkt beschriftet bzw. überzeichnet und unmittelbar an alle Beteiligten versendet. So sind alle fast zeitgleich auf dem neuesten Stand der Dinge – egal, wo sie sich gerade aufhalten.

Wie kann Kreativität auf Distanz funktionieren?
#keepdistance #staytogether – Not macht erfinderisch und zeigt uns neue Wege und Möglichkeiten auf. Um kreativ zu sein bedarf es nicht zwingend einer räumlichen Anwesenheit. Das Arbeiten mit den zur Verfügung stehenden mobilen Tools stärkt das Verantwortungs- und Gemeinschaftsgefühl des gesamten Teams.

Kommen Musterteile rechtzeitig?
Bis dato ja. Es gibt nur teilweise geringe Verzögerungen bei einem neuen Lieferanten. China liefert perfekt.

Wird dadurch noch mehr auf digitale Kollektionserstellung umgestellt?
Unabhängig von der derzeitigen Situation durch Corona, läuft unsere digitale Kollektionserstellung auf Hochtouren.

Magazine zur Inspiration, Blick ins Grüne: der Arbeitsplatz von Katja Foos zurzeit.
Marc Cain
Magazine zur Inspiration, Blick ins Grüne: der Arbeitsplatz von Katja Foos zurzeit.

Sind Sie zeitlich in Verzug?
Momentan können wir sagen, dass wir ‚in time‘ sind.

Haben sich die Kollektionsinhalte verändert angesichts der Pandemie? Wenn ja, inwiefern?
Wir fokussieren uns und schärfen noch mehr die Marc Cain-DNA: dazu zählt die ausdrucksvolle Fantasie im Bereich Strick – mit unserer eigenen Produktion vor Ort ‚Made in Germany‘, mit der wir auch das Thema Nachhaltigkeit stärken – sowie lebendige Farben und brillante Drucke. Wir setzen Kontur bei Linienführungen, beschäftigen uns mit Volumen versus Körperbetonungen. Außerdem ist uns wichtig, Emotionen und die Lebensfreude in den Mittelpunkt zu stellen – für den Moment nach der Krise. 

Wo inspirieren Sie sich in diesen Zeiten noch?
Inspirationen sind überall. Im Netz tummelt sich viel und Dinge sind permanent in Bewegung. Was vorher auf der Straße, in den Städten und Metropolen sichtbar war, findet nun seine eigenen Wege. Sei es im hochkreativen und sehr persönlich gesteuerten Einzelhandel, wo via Instagram die Ware promotet wird, oder auf den einzelnen Accounts, die die Menschen in ihren schönsten Homeoffice-Outfits zeigen. 

Gibt es Veränderungen für die Kollektionsgröße?
Selbstverständlich passen wir die Größe der Kollektionen der Zeit an, jedoch ohne dabei das Marc Cain-Profil zu schwächen.  

Gibt es Verschiebungen bei Lieferterminen? Oder in den Preislagen?
Nach heutigem Stand werden wir versuchen, Liefertermine in der Herbst/Winter 2020-Auslieferung etwas zu schieben. Was Frühjahr/Sommer 2021 betrifft, werden wir die Oktober/November-Liefertermine nicht anbieten um die beiden Saisons jeweils etwas zu verlängern.

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