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Mailand Fashion Week

Top-Looks aus Mailand

Ermenegildo Zegna

Die Menswear-Saison hat schon mächtig Fahrt aufgenommen. Nach dem Auftakt in London und Florenz präsentieren die internationalen Designer in Mailand ihre neuen Bilder für Herbst 2020. Das Ende des Streetwear-Hypes wird zwar nicht besiegelt, doch neue Ideen sind gefordert.

Auffällig war das Streben nach Looks, die nicht allein auf Sportswear fußen etwa bei MSGM. Designer Massimo Giorgetti, unter anderem bekannt für plakative Fun-Looks, für expressive Hawaii-Exkurse und Sporthallenschauen hat zum Herbst verstärkt in Mäntel und Anzüge investiert. Diese dann aber zum Teil in kräftige Farben getaucht oder neu kombiniert. Oder beides.

Kappen und farbige Bommelmützen gehören ebenso zu den Suit- und Mantel-Looks wie farbige Taschen oder wilde Prints, auf Krawatten und auf Shirts. Diese zeigen sich von dem italienischen Horrorfilm-Regisseur Dario Argento und seinem Streifen Profondo Rosso inspiriert. Ein Ergebnis: fleischfressende Pflanzen als Motiv für Floral-Prints. „Ich wollte etwas schaffen, das düster, aber zugleich optimistisch ist und Spaß macht”, sagte der Designer Backstage nach der Show.

Mailand Fashion Week: Top-Looks

Giorgio di Salvo, Mailänder Underground-Guru und Kopf des Labels United Standard ist ohnehin sicher, dass die Mode auf eine Post-Hype-Ära zusteuert, in der schnelle Effekte und sofort sichtbare Codes zählen. „Es gibt eine Gruppe junger, intellektueller Kids, die sehr stylisch ist”, sagt der Designer. „Sie verspürt mehr und mehr Lust, sich mit den Hintergründen in Kunst, Musik und Mode auseinanderzusetzen.”

Wenn das zutrifft, dürften vielleicht auch Domenico Dolce und Stefano Gabbana mit ihrem Ansatz richtig liegen. Die beiden Designer haben ihre Kollektion komplett der Handwerkunst verschrieben. Sweater mit „Fatto a Mano”-Schriftzug und riesige Handstrick-Jacken prägen die Outfits. Vorbei zu sein scheinen die Zeiten wilder Logo-Looks mit überdimensionierten Ds und Gs auf allen Produkten. Stattdessen wächst ein neuer Fokus auf luxuriöse Naturqualitäten, Kaschmir, Seide und Wolle.

Lammfell ist überhaupt bei vielen Brands und Designern ein starkes Element in der Outerwear, sichtbar als Verbrämung oder als komplettes Teil. Auch Denim ist wieder häufiger auf den Laufstegen zu sehen. Neil Barrett zeigt den blauen Stoff steif und clean als Anzug aus Jeansshirt und Hose, bei MSGM kommt das Gewebe ausgewaschen im Innenleben poppiger Outerwear zum Vorschein.

Kean Etro wiederum hatte sich für die Menswear von Etro zum Ziel gesetzt, nach einem Merchandise-Exkurs mit Motiven aus der Star Wars-Saga, zum Herbst etwas „sehr Romantisches” zu kreieren. Am Schauplatz waren die Wände mit zahlreichen Ölgemälden behangen, alle aus dem privaten Besitz der Familie, einige auch mit Ahnen der Etro-Familie als Motiv. Die Kollektion: „Argentinien trifft Europa”, sagt Kean Etro und denkt dabei an die Zeit, als mit Harrods der erste europäische Department-Store 1914 eine Dependance in Buenos Aires eröffnete. Konkret und in Looks gedacht heißt das: Ein Schuss Reiter-Attitüde (Stiefel), dazu Hüte, Fransen-Decken, die zu Mänteln werden. Am Ende der Show komplettiert eine Armada von Cord-Anzügen das Bild. Eine Schau wie ein Nostalgie-Film.

Dass man es bei aller Lust auf Smartness dennoch weiterhin richtig krachen lassen kann, zeigt dann am Sonntagabend der Schauenwoche Iceberg. Das Label ist wieder zurückgekehrt auf den Mailänder Schauenkalender. In der Club- und Konzert-Location Alcatraz wird mit reichlich Nebel- und Lichteffekten eine treibende Techno-Utility-Parade durch die Reihen geschickt. Multipocket-Outerwear, technische Hosen, überdimensionierter Strick mit reichlich Neon durchzogen. Und auch bei Moncler, aktuell wohl die am heißesten gehandelte Outerwear-Brand, war am Abend zuvor von dezenter Zurückhaltung nichts zu spüren, als die neueste Kooperation mit Matthew Williams Label Alyx präsentiert wurde. Im brechend vollen sogenannten House of Genius war kaum ein Durchkommen, Rap-Tracks pumpten durch den Raum. Und mittendrin ein lächelnder Remo Ruffini.

Die ausführliche Analyse zu den Menswear-Schauen in Mailand, zu Pitti Uomo und den wichtigsten Trends im Topgenre der Männermode lesen Sie ab Mittwoch, 15. Januar, 17 Uhr im E-Paper der und ab Donnerstag, 16. Januar, in der gedruckten Ausgabe.
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