Schließen
The Spin
What you need to know in global fashion. Sign up now!
 
Zwischen Prada und Corona

Die Wiederentdeckung der Eleganz: 30 Top-Looks aus Mailand

Martin Veit/Bottega Veneta

Statt modischer Botschaften stehen am Ende der Mailänder Modewoche ganz andere Themen im Fokus: Die Ernennung von Raf Simons zum neuen Co-Kreativchef bei Prada und die rasante Ausbreitung des Corona-Virus in Norditalien, die unter anderem Giorgio Armani zur Absage seiner Schau bewegt.

Plötzlich kippt die Stimmung: Am Samstag noch business as usual mit der normalen Hektik, Umtriebigkeit und den entsprechenden Menschenmassen. Am Sonntag dann die ersten Schauenabsagen, leergefegte Straßen und Geisterstimmung. Wir leben in unsicheren, unberechenbaren Zeiten. Diese Unwägbarkeiten spiegeln sich auch im Stimmungs-und Modebild in Mailand wider.


Zunächst die Prada-Personalie. Das ist es, worüber jetzt alle sprechen. Inwieweit kann Raf Simons dem zuletzt unter Druck geratenen Powerhaus neuen Drive verleihen? Einen Hype entfachen und im besten Fall neue Zielgruppen erschließen? Wie gut werden er und Miuccia Prada harmonieren? Ganz gezielt hat Prada die Nachricht am Sonntag lanciert, um sich so die größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern. Dass die rasante Ausbreitung des Corona-Virus Prada ein wenig die Schau stehlen würde, konnten die Bertellis ja nicht ahnen.

Unruhige, unvorhersehbare Rahmenbedingungen also allerorten. Umso mehr auf Sicherheit spielen die italienischen Designer in ihren Kollektionen. Es gab wenige absolute Überraschungen, Big Bangs oder Wow-Momente: vielleicht die überraschende Inszenierung von Gucci, die den Backstage-Bereich auf die Bühne holt. Wobei hier eindeutig das Schauspiel, weniger die Kollektion im Zentrum der Aufmerksamkeit und der Kommentare der Händler stand. Dann doch wohl am ehesten die Präsentation von Jil Sander, eine Show von atemberaubender Schönheit. Ein perfekt ausbalanciertes Spiel mit Stoffen, Oberflächen, Farben und Proportionen. Moderner Minimalismus perfekt zelebriert − reduziert, aber nicht langweilig, ruhig und zugleich spannungsreich.

Milan Fashion Week: 30 Top-Looks

Minimalismus weitergedreht auch bei Bottega Veneta, wo es Daniel Lee gelingt, Hype und Anspruch weiter hoch zu halten. Die Tendenz zu beruhigten, monochromen Looks setzt sich ohnehin noch einmal deutlicher fort. Ob bei Agnona, Fendi, Sportmax, Max Mara, Tod's oder Ferragamo.

Noch weniger Muster, noch mehr tonige Looks. Konfektion und Tailoring beherrschen das Bild. Jetzt wieder in schmaleren Silhouetten. Oft rückt die Taille in den Blickpunkt. Volumen kommt vor allem über überschnittene Schultern und gebauschte Ärmel ins Spiel. Neben Cashmere und Doubleface ist Leder das Material der Saison. Fransen das Detail der Stunde. Von Sportswear, Sneakern und Streetstyle kaum noch eine Spur. Es geht um die Wiederentdeckung der Eleganz.

Mehr Fotogalerien der einzelnen Kollektionen von den Laufstegen aus Kopenhagen, New York, London und Mailand finden Sie unter TextilWirtschaft.de/fashion-galerien
stats