Ludwig Beck-Einkäuferin Florestine Alexander zum Plus Size-Business

"Die erste Kundin, die wiederkam"

Ludwig Beck München
Florestine Alexander leitet den Einkauf Große Größen bei Ludwig Beck in München
Florestine Alexander leitet den Einkauf Große Größen bei Ludwig Beck in München

Als einer der ersten Händler installierte Ludwig Beck in München eine Plus Size-Fläche. Was heute die Dreh- und Angelpunkte in diesem Segment sind und wie curvy Frauen shoppen, sagt die Einkaufsverantwortliche Florestine Alexander.

TextilWirtschaft: Welches Standing haben Plus Sizes im Unternehmen Ludwig Beck, Frau Alexander?
Florestine Alexander: Ludwig Beck startete vor rund 20 Jahren als Vorreiter im Bereich Plus Size. Seitdem sind wir mit Leidenschaft im Auftrag der Kundin unterwegs. Die Große Größen-Abteilung mit über 300m² ist eine feste Säule des Damen-Sortiments. Seit Januar zeigen wir Große Größen auch in unserem Online-Shop.


In welche Richtung haben Sie die Fläche verändert?
Anfang 2016 wurde die Abteilung neu gestaltet, seitdem arbeiten wir stetig an einer noch offeneren und einladenderen Warenpräsentation. Das hausinterne Visual-Merchandising-Team überrascht immer wieder mit kreativen Lösungen und stellt aus dem kuratierten Sortiment spannende Looks zusammen. Um ein möglichst übersichtliches und leicht verständliches Warenbild zu schaffen, konzentrieren wir uns bei der Zusammenstellung des Sortiments hinsichtlich der Optionen auf der Fläche.

Was bedeutet das?
Das heißt, dass wir weniger Marken führen und tiefer einkaufen. Dadurch ist weniger Ware auf der Fläche und es wirkt alles etwas luftiger. Diesen Weg gehen wir seit geraumer Zeit und er zahlt sich aus, auch hinsichtlich der Verfügbarkeiten im eigenen Online-Shop. Das sukzessive Trading-up der Abteilung stützt den höheren Durchschnittspreis und ermöglicht eine ansprechendere Warenpräsentation. Für unsere Kundin steht das Besondere und das Erlebnis im Vordergrund, nicht zwingend der Preis.

Welche Labels sind raus, welche sind dazu gekommen?
Im Zuge des kontinuierlichen Trading-ups haben wir uns von Marken der kommerziellen Einstiegs-Preislage getrennt und Inhalte des Premium-Segments gestärkt. Open End und das Katag-Label Jette Joop haben von sich aus aufgehört. Um keine zu große Lücke zwischen Preiseinstieg und Premium-Part entstehen zu lassen, wurden die Marken Verpass und 1 to Six by Backstage ins Sortiment aufgenommen. Die aktuelle Herbst-Kollektion von Verpass kommt bei den Kundinnen sehr gut an und 1 to Six by Backstage hat praktisch Open End ersetzt. Seit 2018 führen wir Merino- und Cashmere-Strick der Ludwig Beck-Eigenmarke auch in Großen Größen, da uns hochwertige und moderne Strickoberteile gefehlt haben.

Welche Kollektionen performen außerordentlich gut?
Dazu gehören Riani, Ralph Lauren, Verpass, 1 to Six, Marina Rinaldi, Elena Mirò und Fuchs Schmitt.

Von welchen DOB-Kollektionen wünschen Sie sich einen erweiterten Größenspiegel?
Für die Plus Size-Abteilung sind vor allem Anbieter des gehobenen und Premium-Segments interessant. Das wären prinzipiell alle Marken aus dem Premium-Bereich, da wir bei Große Größen in eben diesem Segment stetig wachsen. Also das Riani-Markenumfeld wie Marc Cain, Luisa Cerano, Joop! Women, Windsor und Bogner.

Stichwort Anschlussgrößen: Halten Sie es nach wie vor für richtig, die Plus Size-Fläche zu separieren? Warum?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kundin gerne gezielt in "ihre Abteilung" geht und Intimität dort schätzt, wo sie am Spiegel vor der Kabine nicht mit einer "Superschlanken" konfrontiert ist. Hier findet sie ihre Größe, Passformen und die Materialien sind auf ihre Ansprüche abgestimmt. Wir haben für die Plus Size-Abteilung die Größen 44 bis 54 definiert, bei Hosen starten wir bei 42. Wir haben speziell Marken aus dem Große Größen-Segment zusammengefasst und diese um Produktspezialisten für Jeans, Blusen und Outdoor aus den Stammabteilungen ergänzt. Man kann sagen, dass wir ein "Best-Of" für die Plus Size-Kundin präsentieren.


Wie hat sich die Corona-Pandemie auf das Einkaufsverhalten von curvy Frauen ausgewirkt?
Bei beiden Lockdowns war die Plus Size-Kundin gefühlt die letzte Kundin, die wegblieb und die erste Kundin, die wieder ins Kaufhaus kam. Zahlreiche Stammkundinnen geben uns positives Feedback auf die Onlinepräsenz. Großer Gewinner dieser Zeit ist unser Personal Shopping-Team. Die Kundinnen genießen den intimen und individuellen Rahmen ihres Shoppingdates sehr. Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir eine weitere Personalshopping-Suite eröffnet und die Auswahl an Erlebnispaketen erweitert.

Welche sind die aktuellen Topseller-Looks und -Labels in diesem Herbst?
Aktuell funktioniert alles sehr gut, was Begehrlichkeit auslöst. Die Farbwelten mit Chocolate, Mandarine, Kürbis, Sonnengelb und andererseits Aqua/Pistazie/Bleu/Azur/Denim/Marine haben als monochrome Looks oder in Abstimmung mit neutralen Tönen viele Fans. Frische Farben und neue Farbkombinationen überzeugen, da sie neu aussehen und die notwendige Leichtigkeit und Unkompliziertheit ausstrahlen. Flauschige und haarige Qualitäten bringen als belebte Haptiken eine gewisse Spannung auf die Fläche. Wichtig ist, dass sie immer leicht sind und nichts Erschlagendes haben. Unkomplizierte Artikel ohne jegliche Steife, Schwere und Behäbigkeit sind gefragt. Der Plus Size-Kundin sind die Jogger-Outfits oftmals zu sportiv oder einfach zu wenig gepflegt, sie fühlt sich in Strick wohler. Overshirts, auch aus veganem Leder oder als Mantel überzeugen die Kundin, sowohl kariert als auch uni. Die Looks, die Modernität und eine gewisse Zeitlosigkeit ausstrahlen, gewinnen auch in dieser Saison.

Mehr über die Top-Themen im Plus Size-Markt lesen Sie ab Mittwoch, 6. Oktober, 17 Uhr im E-Paper der TextilWirtschaft sowie ab Donnerstag, 7. Oktober in der gedruckten Ausgabe.

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