TW-Interview mit 032c Kreativdirektorin Maria Koch

"Wir sind oft bewusst sperrig"

Adam Katz Sinding
"Das ist kein schnelles Produkt", sagt Maria Koch über ihre Loungewear-Kapsel mit Sloggi.
"Das ist kein schnelles Produkt", sagt Maria Koch über ihre Loungewear-Kapsel mit Sloggi.

032c macht Mode, ein Magazin und organisiert Events. "Entertainment" nennt es Kreativdirektorin Maria Koch, die soeben auf der Pitti Uomo in Florenz eine Loungewear-Kapsel mit Sloggi vorgestellt hat. Die Designerin über ihre Sozialisierung zu Zeiten der Loveparade sowie darüber, warum die Mischung aus L.A. und Salzburg für sie ideal ist und warum es heutzutage wichtig ist, politisch Haltung zu beweisen.

Aus dem Lautsprecher dringt Vogelgezwitscher und Bienensummen. Das Licht ist schummrig. Maria Koch, Kreativdirektorin von 032c hat sich für das Interview einen ruhigen Nebenraum ausgesucht. Es herrscht ziemliches Gedränge im Pavillon auf der Pitti Uomo, wo 032c und Sloggi ihre Loungewear-Kapsel vorstellen. Die Wände sind verspiegelt. Mittendrin türmt sich eine Höhle aus Decken auf. Dazwischen wuseln Besucher mit dem Magazin hin und her.

Für Sloggi ist es die erste Collab überhaupt. Das Label, das seit 2016 einen strategischen Kurswechsel vollzogen hat und sich als „Sneaker der Bodywear“ versteht, hat mit 032c einen Partner gewonnen, der ein kleines Universum an Magazin, Beratung und Events aufgebaut hat und dessen Modelabel von Top-Retailern wie dem KaDeWe und Galeries Lafayette geführt wird. "Wir machen Entertainment", sagt Maria Koch, die Sloggi aus ihrer Teenagerzeit kennt und 032c mit ihrem Mann Jörg Koch leitet. "Sloggi ist eine Qualitätsmarke wie WMF, die die Eltern kaufen."

TextilWirtschaft: Wie würden Sie beschreiben, was 032c tut?
Maria Koch: Wir machen Mode, wir haben ein Magazin, wir organisieren Ausstellungen. Wir haben mit Content angefangen. Jetzt ist daraus mehr geworden. Im Grunde machen wir Entertainment.

Magazin, Mode Contentplattform. Das erinnert an Highsnobiety.
Wir sind gut mit David Fischer bekannt. Es stimmt schon, dass es sich nahe anfühlt. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede. Highsnobiety berichtet über Kultur, 032c produziert Kultur. Highsnobiety versteht den Markt besser. Highsnobiety ist auch deutlich kommerzieller und leichter zu verstehen. 032c ist nicht elitär, hat aber bewusst oft sehr sperrige Momente.

Wie ist 032c entstanden?
032c wurde 2001 von meinem Mann gegründet. Er hatte einen Ausstellungsraum für Kunst. Um den zu bewerben, startete er im Internet und legte ein Printmagazin auf. Daraus ist dann über die Jahre ein Luxus-Hochglanzmagazin geworden.

Zehn Teile, drei Farbtöne: Die Kapsel von 032c und Sloggi kommt reduziert daher.
Adam Katz Sinding
Zehn Teile, drei Farbtöne: Die Kapsel von 032c und Sloggi kommt reduziert daher.

Wofür steht der Name 032c?
Das ist der Pantone-Farbcode für ein feuriges Rot. Rot ist gefährlich, Rot verströmt Energie. Und Rot symbolisiert eine politische Haltung. Wir sind völlig klare Anti-Faschisten. Es gibt nicht viele Modebrands, die ihre Haltung kommunizieren. Uns ist das ganz wichtig, für eine humanistische Moral und Ethos einzutreten. Das hört sich altmodisch an, wird für mich aber immer relevanter. Wir müssen uns die Frage stellen, was eigentlich richtig und noch vertretbar ist. Und was eben nicht.

Wie kam es dazu, dass 032c heute Mode macht?
Mein Mann und ich lernten uns 2010 kennen. Ich habe klassisch Mode studiert und habe für Labels wie Joop!, Jil Sander und Marios Schwab gearbeitet. Ein Bekannter machte uns darauf aufmerksam, dass coole Kids damit begonnen hatten, sich 032c-Merchandise zu basteln. Ich kündigte meine Designerposition. Dann fingen wir selbst mit Merchandise an. Erst simple T-Shirts, dann Sweater. Inzwischen ist daraus eine Prêt-à-porter-Kollektion geworden, die von 85 Top-Stores wie KaDeWe, Breuninger und Selfridges geführt wird. Nächsten Monat eröffnen wir auf der Kantstraße in Berlin unseren ersten eigenen Laden.

Auf die Verpackung kommt es an: 032c und Sloggi achten auf jedes Detail.
Sloggi, 032c
Auf die Verpackung kommt es an: 032c und Sloggi achten auf jedes Detail.

Wie wichtig ist der Standort Berlin für 032c?
Berlin ist irre wichtig, weil dort die Leute wohnen, mit denen ich arbeite. Würde mein Team sich aber wünschen, nach Zürich zu gehen, hätte ich nichts dagegen. Ich finde Zürich so toll. Ich könnte mir vorstellen, in L.A. und Salzburg zu leben. Das ist ein energetischer Aufprall. Ich arbeitete einmal mit Kanye West in Calabasas und bretterte dann nach Salzburg, wo meine Familie Urlaub machte. Dieser Kontrast war so gaga. Ich finde diese Spannung mega.

Was zeichnet die Mode von 032c aus?
Es ist eine junge Luxusmode. Sie spiegelt unsere eigene Sozialisierung wider. Mein Mann war in der Punkszene aktiv. Ich komme aus der Graffiti-Szene und bin ein Rave-Kid. In den 90er-Jahren machte ich auf der Loveparade mit. Ich trug Sachen von Velvet Monkeys, Sabotage, Diesel und Levi’s. Dazu bestimmte Modelle von Adidas und Nike. Ganz wichtig war für mich eine Chevignon-Jacke. Das Modell hieß Cosmos. Da ich mir die Jacke nicht leisten konnte, borgte ich sie mir von einer Freundin. Wenn ich in die schlüpfte, fühlte ich mich wie eine Königin. Mit 032c legte ich die Jacke wieder auf. Die war irre erfolgreich. Eigentlich sehe ich heute noch wie früher aus.

Nur ein bisschen Farbe ist erlaubt: die Socken in Handbatik-Ästhetik
Sloggi, 032c
Nur ein bisschen Farbe ist erlaubt: die Socken in Handbatik-Ästhetik

Hätten Sie erwartet, dass 032c so einflussreich wird?
Viele, die wie wir aus der Punk- und Graffiti-Szene kommen, haben heute relevante Positionen in der Mode. Was heute als Streetwear bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit eine Jugendkultur, die gegen das Establishment gerichtet war. Das ist kein Trend, den mal einfach mal so aufschnappt, sondern eine neue funky Realität. Manchmal werde ich gefragt: Wie lange sind Turnschuhe und Hoodies noch aktuell? Solch eine Frage irritiert mich. Wenn man die Historie betrachtet, erklärt sich das von selbst.

Wie kam die Collab mit Sloggi zustande?
Ich habe einen Partner gesucht, um vernünftige Unterwäsche zu machen. Ich fragte also bei Triumph an. Die schlugen uns vor, erst einmal mit Sloggi eine Loungewear-Kollektion herauszubringen. Das ist spannend für uns beide. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Teenager in Göttingen in den Karstadt marschierte. Sloggi ist eine Qualitätsmarke wie WMF, die die Eltern kaufen. Sie ist wahnsinnig erfolgreich und hat eine treue Stammkundschaft. Spannend fand ich auch, dass Sloggi noch nie eine Collab gemacht hat. Sie sind sehr offen und differenziert mit uns umgegangen.

Soll der Kundin lange Freude machen: der Crewneck von 032c und Sloggi
Sloggi, 032c
Soll der Kundin lange Freude machen: der Crewneck von 032c und Sloggi

Was zeichnet die Collab aus?
Mir war wichtig, dass die Teile genderless sind, also sowohl für Frauen als auch Männer funktionieren. Wichtig war mich auch, dass wir nicht nur nachhaltige Materialien einsetzen, sondern allgemein in einem reduzierten Spektrum denken. Die Kapsel umfasst nur zehn Teile in den drei Farben Weiß, Nude und Schwarz. Die Kundin kann das in ihren eigenen Kleiderschrank einbauen und lange tragen. Es gibt nicht das laute Fashion-Teil. Ausnahme sind zwei Paar Socken in Handbatik. Der Rest ist ultraklassisch, damit es nicht als schnelles Produkt daherkommt.

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