Von Florenz über Mailand und Paris bis Berlin zeigt sich: Sport durchdringt die Mode immer stärker. Das beweisen nicht nur originäre Sportswear-Marken wie Champion, Fila, Kappa, Helly Hansen, Umbro, Ellesse und – wieder neu am Start – Sergio Tacchini, die dem Modehandel auf den jüngsten Messen ihre Kollektionen präsentieren.

Den sportiven Look greifen auch mehr und mehr Hersteller auf, deren Wurzeln nicht im Sport liegen. Das äußert sich nicht zuletzt in jeder Menge Track-Suits und an Running-Silhouetten orientierten, klobigen Sneakern.

Selbst Luxus-Linien öffnen sich im Rahmen des Streetwear-Hypes verstärkt der Activewear. So präsentiert Palm Angels - das Label gehört wie Virgil Ablohs Hype-Label Off-White zur italienischen New Guards Group - während der Mailänder Schauen eine Kooperation mit Under Armour. Boris Bidjan Saberi wiederum steckt einige seiner Models in Trailrunning-Schuhe von Salomon. Bei Commes des Garςons sind neue Styles des Nike-Sneakers Presto auf dem Laufsteg zu sehen. Études Studio wiederum setzt auf NMDs von Adidas. Neben Active-Elementen aus Running, Training und Co. und den omnipräsenten Streetwear- und Skate-Ideen baut sich vor allem ein Feld stärker auf: Urban Hiking. Wandern, aber abseits spießiger Zip-Hosen und Wetterjacken. Stattdessen mit urbanem Flair, hohem Fashion-Anspruch.

Was heißt das für die Sortimente? Welche Looks und Impulse dominieren die Kollektionen - ob für Sport oder Freizeit konzipiert? Ein erstes Fazit nach den Top-Ordermessen: Das sind die Top-Trends in den Produktgruppen mit Blick auf die Order für Frühjahr 2019.

Outerwear

Nach einer teils schwierigen Outerwear-Saison im Frühjahr 2018 steht das Segment zwar unter Druck. Neue Hybride lassen jedoch die Grenzen zwischen wetterfester Outerwear und Casual-Styles wie Hoodies und Fleece-Tops verschmelzen. Fila zeigt etwa ein Overhead-Jacket aus Denim und Polyester. Logo inklusive. Schlupfblousons galten schon dieses Frühjahr als Top-Aufsteiger. Aber auch Jacken mit durchgehendem Zipper, abnehmbarer Kapuze oder aus kuscheligem Fleece haben die Aussteller für Frühjahr 2019 im Portfolio. Das Pushen vielseitiger Modelle soll für mehr Flexibiltät im Jacken-Business sorgen. Denn komplett auf Outerwear kann und will trotz anspruchsvoller Lage niemand verzichten. Vor allem in den neuen Half-Zips, die mehr schmückendes Statements-Piece als funktionaler Begleiter sind - Logo-Einsatz, Wordings und Colourblocks sei Dank -  sehen viele Retailer gutes Potenzial für ordentliche Umsätze.

Track-Suits

Oft bleibt es nicht bei der Jacke. Die passende Track-Pant verspricht einen höheren Bon. Styles in glänzenden Polyester-Qualitäten oder komfortabler Baumwolle kommen meist in den klassischen Farben Blau, Weiß, Rot daher. Innovation kommt fürs Frühjahr aber über Looks in Ballonseide. Die 80er lassen grüßen. Ganz stilecht ist dabei auffällig oft die Farbkombination aus Türkis oder Grün und Lila zu sehen. Dabei sind grafische Colourblockings omnipräsent. Oft auch als geometrische Interpretation, mit Diagonalen, Farbflächen, Rallye-Streifen. In der Spitze werden passende Techno-Hosen zu Hiking-Windbreakern und Anoraks gestellt und drehen so das Thema Trainingsanzug noch ein Stück weiter. Apropos weiter: lockere Silhouetten sind auch hier auf dem Vormarsch. Trainingsanzüge müssen nicht nur bequem sein, mit geräumigem Schnitt dürfen sie jetzt auch so aussehen.

Oberteile

Bleu, Blanc, Rouge – nicht nur beim Fußball derzeit top, sondern auch bei T-Shirts, Sweats und Track-Jackets. Logo bleibt, ist aber oftmals ein wenig kleiner als zuletzt und nicht zwangsläufig auf Brusthöhe platziert. So bietet etwa der Galon an Seite und Ärmel ausreichend Platz für Branding. Für den Sport untypische Farben wie ein zartes Rosa geben dem Thema zusätzlich neuen Drive. Die diesjährige Kooperation von Nike und Off-White hat dem Thema Fußball-Trikot in Fashion-Kreisen noch einmal deutlich mehr Aufmerksamkeit gebracht. Hier knüpfen auch Brands wie Kappa oder Umbro an. Neben diesen von französischen Banlieu- bzw. britischen Casuals-Styles geprägten Looks ist Tennis ein Aufsteiger-Thema für die Oberteile. Vor allem Polohemden werden wieder heiß gehandel. Oldschool mit Kontrastringel und Piqué-Ware oder auch locker geschnitten, gestrickt, mitunter aus French Terry oder zum Teil auch aus technischer Performance-Qualität. Hier gilt fast immer: Das Left-Chest-Logo darf nicht fehlen.

Schuhe

Allen voran Dad Shoes. Seit dem Run auf Balenciagas Triple S die Silhouette schlechthin. Die chunky Sneaker mit markanter Sohle und kräftigen Farbakzenten finden sich in nahezu jeder Schuhkollektion. Auch neue, alte Namen versuchen sich an der Idee. Fila kann schon erste Achtungserfolge vor allem im Womens-Business erzielen. Namen wie Hi-Tec oder Mizuno versuchen mit teils aufgeblasenen Running-Silhouetten ebenfalls wieder sichtbarer zu werden. Wenn es nicht der Sneaker ist, dann setzen die Anbieter auf Pool Slides und Sandalen im Trekking-Look. Hier ist neben Suicoke und Teva sowie Birkenstock, die über ihre Rick Owens-Kooperations stärker in Richtung Fashion vorstoßen, noch viel Raum. Ellesse wagt zum Frühjahr erste Gehversuche. Auch Cat Footwear dreht die robusten Treter auf Fashion-Sandale. Die originären Sport-Marken scheinen dem Trend noch nicht vollends zu trauen, bauen stattdessen das Poolslider-Portfolio aus. Hier lässt sich der Logo-Trend mindestens ebenso plakativ spielen - und das zu niedrigschwelligen Preislagen.

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