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Denim Fabrics Frühjahr 2021

Von Biomüll und Bakterien

Isko
Ein Look aus der Kooperation von Isko und Miles Johnson.
Ein Look aus der Kooperation von Isko und Miles Johnson.

Mit Nachhaltigkeit beschäftigen sich die Denim-Weber schon seit mehreren Saisons. Zum Frühjahr 2021 liegt der Fokus darauf, den Kreislauf komplett zu schließen.

Recycelt ist die Polyesterfaser in der neusten Denim-Innovation mit dem abgespacten Namen „Cic I O“ von Cone Denim sowieso. Zusätzlich werden ihr im Produktionsprozess Stoffe zugefügt, von denen sich bestimmte Bakterien ernähren. Auf diese Weise soll die Faser biologisch abbaubar werden.

Eine ebenfalls biologisch abbaubare Stretch-Faser hat sich auch die italienische Premium-Weberei Candiani patentieren lassen: Das Produkt namens Coreva soll innerhalb weniger Monate vom Erdboden verschwinden. Wie das genau funktioniert, ist natürlich Betriebsgeheimnis.

Bereits diese beiden Beispiele zeigen, dass die Weber in puncto Nachhaltigkeit zum Frühjahr 2021 die nächste Stufe zünden. Bisher ging es in erster Linie darum, den Einsatz von Wasser, Chemikalien und Energie zu sparen. Daran wird auch weiterhin gearbeitet, aber jetzt ergänzt um Lösungen, die den Produktionskreislauf schließen sollen.

Ein zweites Leben für Fasern

Entweder indem, wie erwähnt, schon vor der Produktion an die umweltverträgliche Entsorgung des Produkts gedacht wird. Oder indem Produktionsabfälle aufbereitet werden und so ein zweites Leben erhalten. Darauf setzen unter anderem The Lycra Company mit der neuen Faser „EcoMade“ und Isko mit seinem Konzept „R-Two“.

PG Denim hat die Messlatte besonders hoch gelegt: Das Unternehmen von Paolo Gnutti will einen Denim entwickelt haben, der nach eigenen Angaben zu 60% aus recycelten Fasern besteht, während bei den Mitbewerbern bei maximal 35% Schluss sei.

Die meisten Anbieter arbeiten dabei übrigens mit Pre-Consumer Waste, also mit Abfällen, die während der Produktion entstehen. Nur wenige wagen sich auch an die Verarbeitung von Post-Consumer Waste, da unter Umständen nicht nachvollziehbar sei, woher das Material stamme – und ob es überhaupt nachhaltigen Ansprüchen genüge. Bossa ist dieses Thema unter anderem in Kooperation mit Mango angegangen. „Sie senden uns ihre alten Jeans“, berichtet Özge Özsoy von Bossa.

Run auf Bio-Baumwolle

Auch der amerikanische Weber Kaltex hat Stoffe mit recyceltem Faseranteil in der Kollektion. Jack Mathews von Kaltex sagt: „Das ist gerade ein großes Thema, jeder will es.“ So etwas hat er während seiner rund 40 Jahre in der Branche so noch nicht erlebt: „Die Kunden und Verbraucher achten heute wirklich darauf, dass sich die Produzenten verantwortungsvoll verhalten.“ Als Beleg dienen Zertifikate. Zudem arbeiten immer mehr Anbieter, darunter die M&J Group, mit QR-Codes, die den Kunden einen detaillierten Einblick in die Produktion geben sollen.

Etwas gar nicht erst zu produzieren, ist ein weiterer Step in Richtung Sustainability. Deswegen reduzieren einige Denim-Macher die Mindestabnahmemengen. Eine Digitaldruckmaschine erlaubt Evlox, unterschiedliche Dessins auf Denim zu bringen und die Stoffe schon ab 500 Meter an ihre Kunden zu verkaufen. Dadurch können auch gewagtere Styles Eingang in die Kollektion finden und Highlights gesetzt werden.

Da der spanische Weber bis 2021 zudem die Hälfte der Kollektion nachhaltig produzieren will, hat er sich bereits mit ausreichend Bio-Baumwolle eingedeckt. Denn der ein oder andere befürchtet aufgrund der steigenden Nachfrage explodierende Preise. Schließlich wird bislang nur rund 1% der Baumwolle vollständig biologisch, also ganz ohne Verwendung von Pestiziden, angebaut.

Soziales Engagement

Aber das Engagement der Weber muss sich längst nicht immer auf die Produktion beschränken. Tejidos Royo hat nach dem Start mit Dry Indigo im vergangenen Jahr durch das wasserfreie Färben eine Million Liter Wasser gespart und die dadurch entstandenen finanziellen Mittel für wohltätige Zwecke verwendet. Jetzt spendet das Unternehmen eine Million Liter Wasser an ein von Verbrauchern per Online-Abstimmung gewähltes Projekt.

Bei alldem rücken modische Innovationen in den Hintergrund. Authentische Waschungen wie in den 80er und 90er Jahren bestimmen nach wie vor das Bild. Comfort Stretch ist gesetzt. Mit Blick auf den Komfort und das Frühjahr 2021 wird besonders leichter Stoff wichtiger. Zudem werden schwarze und graue Denims wieder stärker. Aber das Ziel Sustainability gerät dabei nie aus dem Blick. So vielfältig die Wege dahin auch sind.

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