Exhibition to watch im Textilmuseum St. Gallen

Frauen, Macht und Mode

Michael Stoch, Johannes Stieger

50 Jahre Frauenwahlrecht in der Schweiz. Anlass genug für das Textilmuseum in St. Gallen den Kleidungsstil der Frauen an der Macht einmal genau unter die Lupe zu nehmen. In der gerade eröffneten Ausstellung werden Kostüme und Accessoires gezeigt, "die weiblichen Machtanspruch und weibliche Machtrepräsentation im Wandel von Gesellschaft, Mode und Politik versinnbildlichen", heißt es.

Was wäre Angela Merkel ohne ihre Kombinationen aus klassischer, gerade geschnittener schwarzer Hose und farbigem Blazer? Abweichungen von diesem Stil werden in der Öffentlichkeit nur selten goutiert, man denke nur an Merkels Auftritt bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth im tief dekolletierten Kleid, der tagelang die Boulevard-Presse beschäftigte. "Auch in der Vergangenheit war die Kleidung der Herrschenden keine Privatangelegenheit", sagt Co-Kuratorin Claudia Schmid. Die in der Ausstellung vollzogene Rückschau belege deutlich, in welch hohem Maße die Wahl der Bekleidung schon immer im Fokus des öffentlichen Interesses, der öffentlichen Diskussionen stand.

Exhibition to watch im Textilmuseum St. Gallen: Frauen Macht Mode



"Robes politiques" nähert sich dem Thema in sechs Kapiteln an. In jedem der Ausstellungssäle steht eine Abstimmungsurne mit einer einfachen Ja/Nein-Frage, etwa "finden sie es gut, wenn Politikerinnen und Politiker die symbolische Bedeutung von Kleidung strategisch einsetzen?". Fünfzig Kleider und Textilien, ergänzt um ausgewählte Bilder, Fotografien und Videos, aus der Zeit von 1549 bis heute werden gezeigt und thematisieren den strategischen Einsatz von Mode. "Ein unglaublich facettenreiches Thema", so die Projektleiterin Annina Weber. Es sei von historischen Dimensionen, berühre Fragen der Frauenrechte und spiegele gleichzeitig ein Stück Modegeschichte wider.

Vertreten sind unter anderem die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die First Lady Jacky Kennedy, Kaiserin Sisi und die letzte Kaiserin Frankreichs, Eugénie de Montijo. Und auch ein Fokus auf die Schweizer Polit-Prominenz fehlt nicht. So präsentieren Schweizer Politikerinnen wie Elisabeth Kopp, Doris Leuthard oder Karin Keller-Sutter ausgewählte Kleidungsstücke aus ihrem privaten Fundus. Insbesondere der löcherige weiße Akris-Mantel, den die damalige Bundesrätin und Verkehrsministerin Doris Leuthard anlässlich der Einweihung des Gotthard-Basistunnels 2016 trug, zeigt eindrucksvoll, wie schnell ein Outfit, gewollt oder ungewollt, zum Talk of Town werden kann.

Dass die Ausstellung auch zeitgenössische künstlerische Positionen mit einbezieht, zeigen Werke der Schweizer Video-Künstlerin Pipilotti Rist und von Irene Düring.

Robes politiques - Frauen Macht Mode, Textilmuseum St. Gallen, 19.3.2021 bis 6.2. 2022
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