Das Luxus-Genre der Menswear ist schon mitten in der Frühjahrs-Saison. Torsten Stiewe, Head of Buying Fashion, The KaDeWe Group, gibt Einblick in Aufsteiger, Topseller und starke Marketing-Themen.


TextilWirtschaft:
Herr Stiewe, wie war der Start in die Saison?
Torsten Stiewe: Die Liefertermine November, Dezember sind für uns sehr wichtig, um schon früh erste Impulse Richtung neue Saison zu setzen. Hier verkaufen wir vor allem Sweatshirts, Langarm-Polos und Pullover in neuen Farben. Das Logo-Thema weckt immer noch Begehrlichkeit. Auch Jacken waren zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich ein Thema.

Welche Namen ziehen den im Zuge des Logo-Trends am besten?
Wir haben die Logo-Stylings noch breiter im Sortiment verankert und bieten den Kunden Sweats, Polos und T-Shirts in sämtlichen Preislagen an. Das funktioniert über den Champion- oder Wasted Paris-Sweater ab 69 Euro genauso wie in der Luxusliga. Givenchy und Balenciaga mit Sweatern für rund 400 Euro kommen ebenfalls gut an. Diese beiden Designerbrands gehören derzeit zu den begehrlichsten Labels. Die Base Caps von Balenciaga laufen ebenfalls gut und wurden von uns schon nachbestellt.



Zieht Streetwear im Topgenre immer noch so stark?
Ja und sie hat sich weiterentwickelt. Es geht zum einen immer noch um Palm Angels und Off-White. Aber die Übergänge zur coolen, maskulinen Menswear werden fließender. Looks wie die von Stone Island würde ich da auch dazu zählen. Und dann der große Trend hin zu Overshirts, der den Look von der Straße etwas smarter macht als zuletzt. Da ist dann der Workwear-Einfluss zu spüren, der eine neue Facette der Menswear darstellt, die sich zum Frühjahr bemerkbar gemacht hat.

Was waren die Topseller in der Outerwear?
Zunächst einmal muss man die sehr gute Performance von Total Look-Brands wie Moncler und Stone Island erwähnen, die nicht nur bei den Jacken, sondern auch beim Strick und Co für gute Umsätze sorgen. Was die Spezialisten angeht, sind die leichteren Übergangsjacken von Woolrich und Canada Goose erfolgreiche Teile. Wenn es etwas smarter und eleganter wird, kommt Herno zum Zug. Two-in-One-Modelle und aufwändige Kapuzenlösungen sind gute Argumente beim Verkauf.

Was gibt der Formalwear zum Frühjahr neue Power?
Eindeutig ist es die Leichtigkeit. Es darf nur nicht zu klassisch sein. Piqué-Bilder, Strick-Optik und dekonstruierte Verarbeitungen lockern die formellere Menswear auf. Auch Anzüge erhalten durch leichte Stoffe und neue Schnitte eine Auflockerung. Boglioli und Eleventy sind Namen, die das gut umsetzen. Auch Doppiaa ist ein starker, erfolgreicher Impulsgeber.

Ist der smarte, etwas elegantere Typ nicht viel zu selten, um gute Umsätze zu machen?
Mit Looks rund um Doppiaa-Sakkos, Leinenhemden und etwas helleren, weiteren Hosen sprechen wir sicherlich nicht das Gros unserer Kunden an, sind aber dennoch wichtig. Hier spielen neben Blau und Grau auch neue Töne wie Tabak und Beige eine wichtige Rolle. Stylings mit einer leichten, weichen Tunnelzughose im Joggingstyle und dazu ein Sweatshirt sind kommerziell gut umsetzbar und können ebenso smart sein.

Was tut sich bei den Sneakern?
Wir spüren ganz klar, dass sich ein Wandel hin zu etwas ruhigeren, angezogeneren Sneakern vollzieht. Common Projects sind hier ein gutes Beispiel. Daneben gibt es den sehr erfolgreichen Hype um klobige Modelle wie den TripleS von Balenciaga, der absolut gut läuft.



Welche Marketing-Aktivitäten begleiten die Saison?
Immer mehr Trends kommen aus Asien, das ist nicht nur in der Mode spürbar. Mit unserer aktuellen Frühjahrskampagne Super Asia holen wir diese asiatischen Vibes nach Deutschland. Die Kampagne wird für alle drei Häuser und alle Departments über 360 Grad gespielt: angefangen bei unseren Schaufenstern, über Pop-Ups auf allen Etagen, speziellen Events, digital und in den Magazinen des KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger. Wir haben mit asiatischen Künstlern und Fotografen kooperiert und die aktuellen Styles unter anderem in Bangkok geshootet.
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