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Mens Knitwear Herbst 2020

„Der Herbst beginnt erst im Oktober”

Colours & Sons, Colours & Sons
Amadeus Heinzel, Head of Product Design & Management bei Colours & Sons
Amadeus Heinzel, Head of Product Design & Management bei Colours & Sons

In der Menswear werden Looks und Silhouetten insgesamt entspannter und lässiger. Mit der Entwicklung bekommen so auch Strick-Styles mehr Aufmerksamkeit und Relevanz. Ein Trend, der sich für Herbst 2020 fortsetzt und in den Design-Abteilungen mehr Raum greift.

Die großen Garnmessen sind gelaufen. Die kreative Phase hat begonnen. Es geht um Konzepte, um Timing, Qualitäten und Styles. Welche Trends kristallisieren sich heraus? Welche Produkte könnten stark werden? Wo sehen die Produktleute neue, kommerzielle Chancen für Strick? Amadeus Heinzel, Head of Product Design & Management bei Colours & Sons, berichtet aus der Praxis über transsaisonales Denken, moderne Materialien und nachhaltige Techniken.



TextilWirtschaft: Der Sommer, der gefühlt bis Oktober geht. Wintertemperaturen erst ab Dezember.  Männer kaufen gerne nach Bedarf. Welche Garne braucht es für die richtige Knitwear zum richtigen Zeitpunkt, Herr Heinzel?
Amadeus Heinzel:
Es gibt nicht mehr die typische Winter- oder Sommersaison. Wir denken mehr transseasonal, für alle Jahreszeiten. Damit rückt auch für die Wintermonate eine breitere, buntere Farbpalette in den Vordergrund. Wir liefern Winterware im Juli aus. An diesem Rhythmus orientieren sich immer noch die meisten Handelskunden. Tendenziell ist es jedoch bis Mitte September warm, der Herbst beginnt erst im Oktober. Da der Handel  schon vor Weihnachten erste sommerliche Themen erwartet, die sich klar von den winterlichen und meist reduzierten Teile auf den Flächen abheben sollen, haben tiefwinterliche Themen zu Normalpreisen einen extrem kurzen Abverkaufszeitraum. Man könnte Winterware wegen der anhaltende Kälte bis Mitte März theoretisch wunderbar zu einem normalen U.V.P. verkaufen. Diese wird üblicherweise aber ab Mitte November schon reduziert.

Was bedeutet das für die Kollektion?
Stichwort Allseason. Garne, besonders in leichten Teilungen zwischen 12 und 14gg – sowohl Baumwolle, als auch Baumwoll- und Woll-Mischungen – werden immer wichtiger. Noseason-Garne, die 10 Monate im Jahr funktionieren.  Garne mit sommerlicher Anmutung sind für die ersten Liefertermine im Juli und August von entscheidender Bedeutung. Außerdem setzen wir auf Cotton mit 5% Cashmere-Anteil in 14gg in kräftigeren Farben – wir nennen das „Beach-Cotton“.

Was tut sich aus modischer Sicht?
Unverzichtbar ist meiner Meinung nach ein flauschiger Griff, ob bei Merinowolle oder anderen, soften Naturfasern. Besonders in leichten Teilungen für die ersten Styles für Mitte August aber auch die erste Frühjahrsauslieferung Anfang Januar. Flaumige, gebürstete Garne werden wichtig. Neben Wolle, Mohair und Cashmere sieht man immer mehr Yak, Alpaka, Baby Camel – auch im Mix. Wolle wird mit Nylon, Karbonfasern, oder Tencel gemischt. Zusätzlich zu ihren funktionellen Eigenschaften unterstreichen solche Garne auch den anhaltenden Athleisure-Trend. Struktur-Strick bleib Trend: mehrfarbige Melangen, Pre-Twists, Moulinés, Bouclés und Space Dyed-Garne – Hauptsache anders.  Dafür sorgen auch Fancy- und bedruckte Garne, Weavy- und Slub-Yarns. Patchwork sehen wir für Shirt wie Strick. Jacquards gehen ein wenig weg vom klassischen Norweger-Design hin zu geometrischen Dessinierungen.  Colour-Blocks kommen als coole Intarsien, auch in Fancy-Garnen. In einem Style werden oft verschiedene Garntypen eingesetzt. Tie-Dye und Dip Dye sorgen für individuelle Looks. Batik präsentieren wir schon erfolgreich im Jersey-Bereich.

Farbe funktioniert. Wie viel davon braucht es für die Herbstsaison 2020?
Dass der Trend zu weniger Farbe geht, hin zu Schlichtheit und Beruhigung, hindert Colours & Sons nicht daran, Farbe zu zeigen. Wir wollen und müssen anders sein, aus der breiten Masse herausstechen. Neben trendigen Gewürztönen und Naturfarben, werden wir für die ersten Liefertermine voll auf kräftige Farben setzen. Die Männer kaufen bedarfsorientiert und suchen Mitte Juli bei Temperaturen um die 30 Grad nicht nach dunklen, reduzierten oder angestaubten Farben. Das erwarten die Colours & Sons-Kunden auch nicht. Für die späteren Liefertermine wird es etwas gedämpfter, die ein oder andere „Trendfarbe“ wird sich in unserer Farbpalette wiederfinden.

Nachhaltigkeit und Transparenz der Lieferkette. Ein sehr präsentes Thema. Für die Vorstufe wie auf den Messen, vor allem aber auch beim Verbraucher. Wie gehen Sie damit um?
Nachhaltigkeit – kein neues Thema, das jedoch immer mehr in den Fokus rückt.  Der „We care“-Slogan ist in aller Munde. Man versucht, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, auf umweltschädliche Garne, Stoffe und Farben zu verzichten. Für die Garnproduktion und -verarbeitung heißt das, Wasser zu sparen und zu schützen. Rohstoffe wie Hanf und Wolle zu verwenden statt Wasserfresser wie Baumwolle. Garnfärbung  statt Stückfärbung – auch hier kann man deutlich Wasser einsparen. Ebenso bei der Herstellung von Chemiefasern, indem man die Spinnmasse vorfärbt. Weniger Einsatz von Chemikalien, die Spielregeln von: Bluesign, Oeko-Tex, GOTS etc. einhalten. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Und wie halten Sie es damit bei Colours & Sons?
Authentizität, Individualität, Leidenschaft und Teamspirit bestimmen die Philosophie von Colours & Sons. Jedes Produkt wird mit viel Leidenschaft entworfen, bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Materialien und sonstige Zutaten werden von zertifizierten Lieferanten bezogen, um eine hohe Qualität sicherzustellen. Produziert werden die Kleidungsstücke unter fairen Bedingungen, BSCI- und GOTS- zertifiziert. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Produzenten und der Umwelt bewusst und legen großen Wert auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund gibt es den „Code of Conduct“, den alle Lieferanten und Partner unterzeichnen müssen, um Bestandteil der Lieferkette sein zu dürfen. In dem Verhaltenskodex sind die faire Entlohnung der Mitarbeiter, die Sicherheit am Arbeitsplatz und die humanitären Arbeitsbedingungen festgelegt.

Die Preise für Rohmaterialien sind gestiegen. Wie lassen sich die höheren Preise für Garne kompensieren?
Die Garnpreise sind gestiegen. Und ein anderer Trend ist nicht zu erkennen. Für uns gibt es nur zwei Stellschrauben, an den wir drehen könnten: Günstiger einkaufen oder teurer verkaufen. Günstiger einkaufen geht nur zu Lasten der Qualität. Das ist für uns kein Thema. Wir könnten weitaus günstiger einkaufen, darunter leiden früher oder später die gewohnt guten Qualitäten und die Verarbeitung. So ist günstig für Colours & Sons keine Lösung, besonders nicht im Mittelpreissektor. Der Grat zwischen Marken und den günstigen vertikalen Unternehmen, wie beispielweise die Inditex Gruppe, ist sehr schmal und Qualitätseinbußen würden die Verbraucher nur verunsichern. Diese Zahlen gerne 20 bis 30% mehr, da sie wissen, dass das Hemd oder der Pulli mehr als fünf Wäschen durchhält und die angeboten Styles nicht 0815 sind.

Das heißt: Qualität schlägt Preis?
Wir versuchen unsere Linie zu halten. Wenn bei manchem Artikel der Aufschlag nicht mehr passen sollte, darf man auch gerne mal nach oben kalkulieren. Gute Qualität hat ihren Preis und der Verbraucher bezahlt für das richtige Preis-Leistungsverhältnis, für das Andere und Innovative nach wie vor den angemessenen Preis. Der Kunde, der heute den Weg in die Innenstadt sucht, Fahrzeit auf sich nimmt, Parkgebühren zahlt, der sucht nicht nach „günstig“, da er dies immer online bekommt. Ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis muss gegeben sein und das Teil muss anders aussehen.

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