Wer hat die coolsten Outfits, wer hat die hochkarätigsten Promis? Jedes Jahr im Mai bekommt die Modebranche anlässlich der Met Gala die Chance,  Stars und Sternchen öffentlichkeitswirksam in außergewöhnlichen Outfits über den roten Teppich zu schicken. Die Met Gala findet immer pünktlich zum Start der alljährlichen Fashion-Ausstellung im Metropolitan Museum of Modern Art statt. Das Thema der jeweiligen Ausstellung ist auch das Motto der Kostümgala, bei der die zahlreich anwesenden Promis zugunsten des Kostüm-Instituts ihre großzügigen Spenden sprudeln lassen sollen.

In diesem Jahr lautet der Titel der Ausstellung „Camp: Notes on Fashion”. Doch wer jetzt an Gaskocher, Zelt und Klappstuhl denkt, hat sich gewaltig geirrt. Selbst viele der eingeladenen Promis konnten zuerst nichts mit dem Motto anfangen. Das liegt wohl daran, dass man Camp nicht einfach mit einem Satz klar erklären kann. Camp geht einerseits zurück auf einen Essay Susan Sonntags aus dem Jahr 1964 mit dem Titel „Notes on Camp”. Darin schreibt die Schriftstellerin: „Die Essenz von Camp ist die Liebe zum Unnatürlichen, zur Künstlichkeit und zur Übertreibung.” Andererseits auf das französische Wort „se camper” was so viel bedeutet wie „eine übertriebene Pose einnehmen”, was vor allem am Hof von Versaille etabliert wurde. Im Zusammenhang mit Mode wird der Begriff auch oft mit Dragqueens in Verbindung gebracht, die sich extrem übertrieben darstellen. Camp steht im umgangssprachlichen Englisch auch für kitschig, aufgedonnert oder tuntig.

Das Motto ist also wie geschaffen, um wirklich aufwendig inszenierte Outfits zu präsentieren. Gerade für Marken, die per se schon für einen extrovertierten Look stehen wie Gucci, Moschino, Thom Browne oder Versace. Und so kamen einige der aufsehenerregendsten Looks auch aus dieser Riege. Katy Perry beispielsweise präsentierte zwei Outfits von Moschino, mit denen sie sich der Aufmerksamkeit der Fotografen sicher sein konnte. Zuerst lief sie als lebender Kronleuchter auf, später dann im Burger-Kostüm. Schauspieler Jared Leto trug für Gucci seinen eigenen Kopf unterm Arm, bekleidet mit einer roten Robe und geschmückt von unzähligen glitzernden Ketten. Schauspielerin Zendaya verzauberte in einer leuchtenden Cinderella-Robe von Tommy Hilfiger, als sie mit ihrem Stylist Law Roach über den Teppich schwebte. Das wohl raumgreifendste Kostüm kam aber von Thom Browne, präsentiert von Rapperin Cardy B − eine dunkelrote Robe mit einer riesigen Schleppe. Vier Männer waren ständig an ihrer Seite, um das Kleid zu positionieren und mit ihr zu bewegen. Auch viele Designer selbst waren anwesend, so waren Gucci-Kreativkopf Alessandro Michele und Gucci-Chef Marco Bizzarri mit von der Partie, genau wie Donatella Versace und Jeremy Scott. Neben den bekannten Designermarken konnten aber auch Newcomer die Gunst der Stunde nutzen, um die Blicke auf sich zu ziehen. Der Designer Christian Siriano, ehemals jüngster Gewinner der amerikanischen Staffel von Project Runway, traf mit seinem Look für den Schauspieler Michael Urie den Camp-Nagel auf den Kopf, denn das halb/halb-Outfit war das reinste Verwirrspiel und stand in Perfektion für das Spiel mit den Geschlechtern. Fern blieben in diesem Jahr allerdings die großen Vertikalen wie Topshop und H&M, die in den letzten Jahren das Event ebenfalls als Marketingtool für besondere Kollektionen genutzt hatten. Lediglich Mango schickte zum ersten Mal Markenbotschafterin Sofia Sanchez aus Spanien nach New York. Ihr Outfit: ein Look im Stil einer Mango.
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