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Best of 2018

Die Top 3 Designer-Debüts


Louis Vuitton
Debüt-Show von Virgil Abloh für die Menswear von Louis Vuitton
Debüt-Show von Virgil Abloh für die Menswear von Louis Vuitton

Bäumchen wechsle Dich. 2018 drehte sich auch in der Riege der internationalen Top-Designer das Personalkarussell. Vor allem drei Debüts wurden mit Spannung erwartet – und kontrovers diskutiert. Dabei hatten die Wechsel in der Kreativabteilung der Marken zum Teil schon vor den ersten Kollektionen für Aufsehen gesorgt. Riccardo Tisci hat bei Burberry gleich das Logo und das weltberühmte Check umgestaltet, Hedi Slimane bei Celine den Accent über dem e abgeschafft und einen neuen Schriftzug enthüllt. Wir haben die drei meistbeachteten Debüts des vergangenen Jahres unter die Lupe genommen.

Virgil Abloh für Louis Vuitton

Mit Spannung wurde die erste Kollektion von Virgil Abloh für die Menswear erwartet. Jetzt hat der Designer sein Debüt gegeben. Die Resonanz war zum Großteil positiv. Louis Vuitton hat mit der Berufung des vor allem in Streetwear-Kreisen gehypten Designers viel Aufmerksamkeit erzeugt. Und diese konsequent hoch gehalten, vor allem auch über Social Media.

Der Laufsteg der Show war dann in sämtliche Regenbogenfarben getaucht. Die für viele wohl größte Überraschung während der Schau: Kaum Logos auf dem Lausteg. Selbst Taschen werden mitunter völlig ohne das bekannte Monogram gezeigt. Das Eröffnungsbild der Schauenparade bildete eine komplett in Weiß gehüllte Gruppe. In lockeren Silhouetten, mit Konfektionselementen aber auch Workwear- und Wander-Einflüssen wie aufgesetzten Taschen und funktionalen Details.

Im Verlauf der Show - die Plätze waren mit Superstars wie Rihanna und Kanye West gespickt - spielte Abloh einige Farben des Regenbogens durch, teils als Uni-Looks, teils über schimmernde Metallics, Musterungen oder Details wie Neon-Schnürbänder.

Der emotionalste Moment war aber wohl die Umarmung von Virgil Abloh und Kanye West zum Ende der Show. Mit Tränen in den Augen lagen sich die beiden in den Armen und machten so noch einmal deutlich, dass die Berufung Ablohs als Chefdesigner der Traditonsmarke eine kleine Revolution darstellte.

Pariser Menswear-Schauen: Louis Vuitton Frühjahr 2019

Hedi Slimane für Celine

Die wohl mit der größten Spannung erwartete Schau der vergangenen Schauenrunde war Hedi Slimane für Celine. Doch nicht nur die Zuschauer vor Ort, darunter die bekennenden Slimane-Fans Lady Gaga und Karl Lagerfeld sowie Modeprofis und -Interessierte aus der ganzen Welt, warteten begierig auf die ersten Bilder der LVMH-Marke. "Das soll Celine sein? Sieht doch aus wie Saint Laurent zuletzt", so lauteten die ersten, irritierten Kommentare im Publikum.

Und in der Tat: Die super kurzen Glamourkleidchen mit asymmetrischer, oft gebauschter Schulter, die schimmernden Blousons zu Miniröcken und Lederwesten über silbernen Lamee-Kleidern – sie erinnern sehr an Outfits von Hedi Slimane für seinen früheren Arbeitgeber. Das alles wie gewohnt von ihm in Schwarz, Weiß und Silber. Dazu scharfe Stiefeletten und rockige Booties. Kompromisslos ausgerichtet auf die Generation der Millennials. Und zwar nicht nur auf die jungen Mädchen, sondern auch auf die zunehmend modebegeisterte männliche Klientel, die Slimane jetzt erstmals auch in Celine kleiden will.

Die Männer-Outfits, die auf dem Laufsteg zu sehen waren, erinnerten wiederum sehr an die bahnbrechenden Looks, die Slimane Anfang der Nullerjahre für Dior Homme entworfen hat: rasiermesserscharfe Anzüge, skinny Lederhosen zu schlanken Mänteln, manchmal ein Parka. Dazu spitze Monks und Sonnenbrille.

All diese Teile sollen übrigens auch für Frauen tragbar und erhältlich sein. Es ist aber höchst fraglich, ob sie die erwachsenen Celine-Kundinnen ansprechen, die in den vergangenen Jahren so angetan waren von dem sinnlichen Minimalismus der Phoebe Philo. Andererseits: Dies scheint offenkundig auch nicht die Absicht von Hedi Slimane zu sein.

Paris Fashion Week: Celine F/S19

Riccardo Tisci für Burberry

Schon in den letzten Wochen und Monaten vor seiner ersten Show hatte der aus Italien stammende Designer, der zuvor für Givenchy tätig war, das britische Traditionsunternehmen rigoros umgekrempelt. Das bekannte Burberry-Check-Muster sowie das Logo wurden umgestaltet.

Dann der erste Look der Show: Klassischer Burberry-Trenchcoat, gegürtet, dazu beige Lackpumps, ein Seidentuch im neuen Burberry-Logo um den tiefen Dutt gewickelt. Überhaupt: Beige. Klassisch Burberry, femininer und cleaner als vermutet. Mitunter sogar ladylike, regelrecht damenhaft.

Doch mit fortschreitender Zeit der Show zeigt Tisci etwas mehr: Mustermix aus Leo, floralen Prints, Polka-Dots, bei den Männern Pinstripe-Varianten. Erste zaghafte, gewagtere Details wie Kettenränder an den Trenchcoats, Federn, Perlen, Volants, Fanny-Packs.

London Fashion Week : Burberry F/S 2019

Schließlich kulminiert die Show in dem, was viele nach wochenlangen Instagram-Teasern von Tisci klar erwartet haben: Streetwear-Einflüsse. Etwas Workwear-Attitüde. Schwarze Lack-Trenchcoats, Seefahrer-Kappen, ebenfalls in Lack. Shirts mit dem Aufdruck "Why did they kill Bambi" auf Rehfell-Muster. Überdimensionale Taschen, weite Silhouetten. Bei den Frauen: roter Lack, ein großer Burberry-Slogan in dicken roten Lettern auf einem beigen Trench-Kleid.

Tisci verbindet mit seiner ersten Kollektion also die Vergangenheit – auch in Form der kürzlich im Flagship-Store gelaunchten Kapsel-Kollektion aus alten, wiederbelebten Looks aus dem Burberry-Archiv – die Gegenwart und die Zukunft der britischen Marke. Mit einem Ausblick in Richtung dessen, wohin sich Burberry unter Tisci entwickeln könnte. Doch wohin die Design-Reise letztlich geht – ob in Richtung Streetwear, zurück zu den Wurzeln oder irgendwo dazwischen – darüber ließ Tisci die Branche mit seinem Debüt im Unklaren.

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