Ob geringerer Wasserverbauch, weniger Chemikalien oder auch das ökologisch korrekte Färben der Stoffe –  Nachhaltigkeit ist in jeglicher Hinsicht Top-Thema in der Denim-Branche. Ob die Masse der Hersteller und Konsumenten jedoch für nachhaltige Innovationen bereit ist, interessiert zum Beispiel José Royo von der spanische Weberei Tejidos Royo gar nicht. „Nicht alle Kunden glauben an diese Revolution, aber wie immer gibt es Vorreiter und Nachzügler“, sagt er. Fest steht für den CEO der Weberei aber, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis beispielsweise ohne Wasser gewaschen werden muss. Er ist überzeugt: „Die Regierungen werden die Industrie nicht so weitermachen lassen wie bisher. Der Mensch hat Priorität.“ Royo hat mit Dry Indigo deshalb bereits vergangene Saison ein Konzept eingeführt, das wasserfreies Waschen ermöglicht. Doch es geht nicht nur darum.

Mostafiz Uddin, Geschäftsführer von Denim Expert und Organisator der Bangladesh Denim Expo, ergänzt: „Wir haben in den Fabriken auf LED-Beleuchtung umgestellt und Solar-Panels installiert. Damit die Mitarbeiter nicht mehr den Chemikalien ausgesetzt sind, nutzen wir Laser für das Finishing. Ohnehin ist das Ziel, natürliche Alternativen für chemische Zusätze zu finden.

Die italienische Premium-Weberei Candiani – ein Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit – arbeitet vor allem beim Färben und Imprägnieren des Stoffes bereits seit längerem mit „Kitotex“: Der Einsatz von Schalenresten von Krabben, Langusten & Co ersetzt nicht nur Chemikalien, sondern reduziert auch den Wasser- und Energieverbrauch. Obwohl die Schalen bei der Verarbeitung der Tiere als Abfall anfallen, sie also nicht eigens für Candiani getötet werden, bietet das Unternehmen zum Frühjahr 2020 neu „Kitotex Vegetal“. Statt Schalen kommen dabei Algen und Pilze zum Einsatz, also nachwachsende Ressourcen.

Darüber hinaus hat sich Candiani für die Kollektion „ReLast“ mit dem Faser-Spezialisten Roica zusammengetan. Die Innovationen beider Unternehmen ermöglichen es, dass der Premium-Stretch-Denim zu 100% nachhaltig ist. Die Linie ist GOTS- und GRS-zertifiziert. Zudem setzen viele Anbieter auf das Recycling von alten Jeans, darunter etwa Kilim mit der Kollektion „Re-Create“.

Mit „D-Clear“ lanciert Calik Denim ein neues, nachhaltiges Konzept, das nach Unternehmensangaben 40% weniger Wasser beim Färben und 83% weniger Wasser beim Finishing benötigt. Konkret würden also fünf Liter weniger Wasser pro Meter Stoff verbraucht. Statt 150 Gramm Chemikalien komme ein Meter zudem mit neun Gramm aus, was einer Reduktion von 94 % entspricht.

Dass nachhaltige Produktion für die Denim-Industrie überlebenswichtig ist, steht für Caliks General Manager Hamit Yenici genauso fest wie für José Royo. „Unternehmen, denen es nicht gelingt, neue Produkte und Innovationen in puncto Nachhaltigkeit auf den Markt zu bringen, werden ihre Marktposition nicht halten können“, betont Yenici.

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