Läden, die begeistern – durch Farben, Formen und Materialien. In diesem Frühjahr gibt es einige gute Beispiele, wie zeitgemäßes Ladendesign aussehen kann. Vom Sportgeschäft mit Laufbahn und Bike-Werkstatt bis zum Store, der komplett in leuchtendes Koralle getaucht ist – das sind die fünf Top-Eröffnungen des Frühjahrs.

Forty Five Ten, New York

Von Dallas nach New York. Forty Five Ten, der Luxus Retailer aus Texas hat seinen ersten Store in Big Apple eröffnet. Im neuen Wohn-, Büro- und Shoppingkomplex Hudson Yards, direkt am Highline Park in Manhattan gelegen, belegt der Store 1600m² auf der fünften Etage. Spektakulär ist nicht nur das Innere, sondern auch schon die in Zusammenarbeit mit dem bekannten Büro Snarkitecture entworfenen Schaufenster. Die mit einer gitterartigen Struktur überzogene Front besteht aus Glasziegeln und setzt den Begriff von „brick and mortar“ auf ungewöhnliche Art und Weise um.

Das Innere überzeugt mit einem Mix aus zeitgenössischer Kunst, architektonischen Details und zum Teil wechselnden Kollektionen. Hier ist nichts von der Stange. Standardisierten Ladenbau sucht man vergebens. Jeder der vier Räume ist einer Kategorie gewidmet. Unter Women's und Men's finden sich jeweils globale Luxusbrands von Jil Sander bis Marc Jacobs und Skulpturen von Jose Dávila und Al Freeman. Der dritte Bereich, genannt 4510/SIX, ist jungen, noch unbekannteren Kollektionen gewidmet und zeigt Keramik und Drucke. Neu ist die Vintage-Abteilung mit Design-Stücken aus allen möglichen Kategorien von Mode über Kunst, Bücher und Schmuck bis zu Möbeln. „Alle unsere Geschäft sind mutig und modern, aber für New York haben wir das Konzept auf ein neues Level gehoben“, sagt Kristen Cole, President and CCO bei Forty Five Ten. Das Unternehmen führt neben New York Läden in Dallas, Napa, Aspen und Miami.

Marni, Tokio

Bunt, eigenwillig und immer ein bisschen anders als der Trend. Das kennt man von Marni-Läden. In Tokio, im Einkaufszentrum Omotesando Hills, hat jetzt ein Store mit 300m² Fläche eröffnet, der sowohl mit seiner ungewöhnlichen Farbgebung als auch mit seinen allgegenwärtigen Rundungen aus dem Rahmen fällt. Inspirationsquelle für das Design war der typische japanische Garten mit seinen geschwungenen Linien, der Ruhe und Harmonie ausstrahlt.

Dabei können die Kunden beim Bummel durch den Store ganz unterschiedliche Räume entdecken. Empfangen werden sie auf einer großen Fläche, die Fischgrätparkett mit rotem Marmor kombiniert. Farblich dominiert ein zarter Fliederton, Taschen und Kleinlederwaren werden in den wellenförmigen Wänden präsentiert. Über eine spektakuläre Treppe in unterschiedlichen Marmorfarben gelangt man in die obere Etage mit der Womens-, Mens- und Kidswear. Hier sticht besonders der knallrote, gerundete Raum im Raum ins Auge, in dem sich die Kindermode verbirgt. Harmonisch integriert sind überall die legendären Stahlwellenschienen, eine Besonderheit aller Marni-Boutiquen. Panta rhei – alles fließt.

Celine, New York

Alles neu, alles anders. Celines Kreativdirektor Hedi Slimane, der seit 2018 im Amt ist, hat ein neues Store-Konzept für die französische Luxusmarke ins Leben gerufen. Lavastein trifft dabei Eichenholz, von ingwer- und cremefarbenen Furchen durchzogener schwarzer Granit trifft Zement und polierten Edelstahl sowie Kupfer und Gold. Das neue Konzept verbindet Einflüsse aus dem Brutalismus – einem Architekturstil aus der Moderne, der von Betonelementen geprägt ist – mit jenen aus der Natur. Als Kunstprojekt sei das Store-Design zu verstehen, welches auf der Madison Avenue in New York erstmals präsentiert wurde und nun in Celine-Stores auf der ganzen Welt ausgerollt wird.

Ein elementarer Bestandteil der 450m² großen Fläche, auf der Ready-to-wear-Kollektionen sowie Accessoires für Männer und Frauen inszeniert werden, sind Gesteine. Sie kommen mal durch Basaltina-Marmor im Boden, mal durch grauen Travertin sowie weißen Raffaello-Marmor in Form von Regalen zum Einsatz. In Kontrast hierzu stehen vor allem natürliche Holzelemente, die sich auf der Fläche mal dezent platziert als Stuhl, mal als riesige Säule inmitten des Raumes zeigen. Wie Kunstwerke werden die Objekte durch subtile Lichtquellen beleuchtet. Teils kommt die Beleuchtung aber auch an den Warenträgern selbst zum Einsatz. So sind beispielsweise von der Decke herabhängende Kleiderstangen mit Leuchtröhren versehen. Überraschend platzierte Spiegelelemente, mitunter auf dem Boden liegend, potenzieren das Licht.

Doch damit nicht genug: Auch verschiedene Möbelstücke hat Slimane im Zuge des Kunstprojektes entworfen; sie werden nun im Store mit skulpturaler Anmutung präsentiert. Und um noch mehr Kunst auf die Fläche zu bringen, hat er sich mit weiteren zeitgenössischen Künstlern zusammengetan. So stellen auch James Balmforth und Jose Davila ihre Werke im New Yorker Store aus.

Fabienne Chapot, Haarlem

Läden in einer ganz klaren Farbgebung sind einer der Store Design-Trends der Stunde. An diese Formel haben sich auch die Architekten von Space Projects aus Amsterdam gehalten, als sie den neuen Laden des ebenfalls Amsterdamer Labels Fabienne Chapot in Haarlem entwarfen. Das Geschäft ist komplett in ein leuchtendes Koralle getaucht, das sehr an die Pantone Farbe des Jahres 2019 „Living Coral“ erinnert. Ein femininer, warmer Ton, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht und zugleich fröhlich stimmt. Die Rückwände und Regale sind aus hochglänzendem Ahornholz hergestellt, das sich farblich gut in den leuchtenden Orangeton einfügt.

Feminin ist allerdings nicht nur die Farbe, sondern auch die Formensprache, denn alle Elemente sind rund oder geschwungen – ovale Spiegel, kreisrunde Leuchten, gebogene Kleiderstangen aus Messing und einige ganz besonders geformte Warentische in der Mitte des Ladens – in Koralle gestrichen. Eyecatcher ist allerdings schon von weitem die Fassade und das Schaufenster, denn auch hier finden sich bereits die beiden maßgeblichen Designelemente: das Haus ist in einem perfekt zu Koralle passenden gedeckten Rotton gestrichen. Und das Schaufenster ist nicht einfach nur eine flache Scheibe, sondern setzt sich aus säulenartig angeordneten Glaszylindern zusammen.

Das Interior passt perfekt zum bunt-femininen Look des Labels und ist die Blaupause für alle weiteren Läden. Derzeit ist ein Shop im gleichen Stil bei Galeries Lafayette in Paris zu sehen.

Ochsner Sport Pro, Zürich

Gerade Sportkonzepte haben in den letzten Saisons immer wieder bewiesen, dass sie Vorreiter in Sachen Ladenbau und Erlebnisshopping sind. Bietet doch gerade das Sportumfeld jede Menge Möglichkeiten in Bezug auf Events, Aktivitäten auf der Fläche und Dienstleistung-Angebote. Neuestes Beispiel ist der neue Ochsner Sport Pro, der dieses Frühjahr in Zürich eröffnete, entworfen vom Architekturbüro Atelier 522. Der rund 2000m² große Laden wartet mit den verschiedensten Angeboten auf, allem voran einer 1000m² großen Bikefläche im Erdgeschoss, die eine Bike-Werkstatt mit Sattel- und Lichttest, verschiedenen anderen Diagnose-Tools  und Bike-Test beinhaltet. Außerdem gibt es wöchentliche Lauftreffs mit hauseigenen Running-Coaches, zuvor können die perfekten Schuhe in der dynamischen Fuß- und Laufanalyse ermittelt werden.

Eyecatcher in der Gestaltung ist die mit Neonröhren beleuchtete Laufbahn, durch die immer wieder interessante Perspektiven entstehen. Auch die restliche Fläche wird durch die markante Neonbeleuchtung strukturiert und geschmückt. Im Obergeschoss gibt es zudem begehbare Kuben, die verschiedenen Themen gewidmet sind oder besondere Highlights präsentieren. Im Gegensatz zur Verkaufsfläche, die sehr dynamisch und aktiv wirkt, sind die Umkleiden fast gemütlich gestaltet. Hier kommen wärmere, gedeckte Farben wie Rosé und goldenes Lochblech zum Einsatz.    

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