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Store Design

Über den Tellerrand

Andere Branchen, gleiche Herausforderungen. Ob man Bücher, Beautyprodukte, Medikamente, Elektronikgeräte oder Mode in Läden verkaufen will, die Hauptkonkurrenz ist der Online-Handel – billiger, transparenter, bequemer. Wer die Kunden heute von der Couch in seine Läden locken will, der braucht Argumente. Ein gutes Store Design ist nur eines davon. Aber ein sehr gewichtiges.

Was macht gutes Store Design aus? Der Blick in andere Branchen, auch solche, die keinen Handel betreiben, liefert Inspirationen in Hülle und Fülle. Vor allem, wenn es um den viel zitierten Third Place geht, zu dem der Handel werden will. Ein Ort des Austauschs mit Gleichgesinnten, zum Verweilen und Entspannen, zum Ausprobieren von Produkten. Fünf Branchen, fünf Ideen.

Douglas Pro

Neues Branding, neues Konzept. Die Parfümeriekette aus Düsseldorf hat einen großen Schritt in Richtung Zukunft gewagt. Im hart umkämpften Beauty-Markt hat sie in diesem Jahr ihren Markenauftritt komplett überarbeitet und ein neues Premium-Konzept aus der Taufe gehoben. Douglas Pro stellt hochwertige Hautpflegeprodukte ausgewählter Premium-Marken in den Mittelpunkt. Entsprechend luxuriös gestaltet ist der Pilot-Store in Hamburg Eppendorf mit einer Gesamtfläche von rund 100m².

Das in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Büro Schwitzke&Partner entwickelte Store Design ist klar, clean und dabei einladend feminin. Im Mittelpunkt soll die persönliche Begegnung stehen. Das zentrale Highlight ist ein Beauty Table, an dem Produkte getestet werden können. Eine separate Beautykabine in soften Pudertönen und mit lamellenverkleideten Wänden muss den Vergleich mit einem luxuriösen Spa nicht scheuen. Vom eigentlichen Verkaufsraum hebt sie sich durch die Farbgebung und fließende Vorhänge ab. Kontraste setzen Spannregale mit dunklen Rahmen und der Beauty Table in Anthrazit. Der Kunde soll eher ein Gast sein. Das kommt auch durch die Kasse zum Ausdruck, die wie ein Rezeptionstresen gestaltet wurde.

Über den Tellerand: Douglas Pro in Hamburg

Tianjin Binhai Bibliothek

In China sind nicht nur die Städte größer. Ein gigantisches Kulturzentrum, das auf einer Fläche von 120.000m² fünf Bauten internationaler Architekten umfasst, ist in der ostchinesischen Hafenstadt Tianjin entstanden. Ein Teil davon ist die vom niederländischen Architekturbüro MVRDV in Kooperation mit dem Tianjin Urban Planning and Design Institute entworfene futuristische Bibliothek im Stadtteil Binhai. Sie zeigt, wie in Zeiten von E-Books und einem stetig schwindenden Interesse an gedruckten Büchern ein spannender Raum entstehen kann, der zum Verweilen und Lesen einlädt.

Die 33.700m² große Nutzfläche bietet Raum für rund 1,2 Millionen Bücher. Über der eigentlichen Bibliothek befinden sich Leseräume, Lounge-Bereiche und Arbeitsplätze. Unter dem Dach sind Konferenz- und Computerräume untergebracht. Charakteristisch ist die organisch geschwungene Form des gesamten Komplexes, der über zwei ovale Eingänge betreten werden kann. In der Mitte befindet sich das leuchtende kugelförmige Auditorium, genannt das Auge. Die riesigen Bücherregale greifen die Form der Kugel auf, sind terrassenförmig angeordnet und geschossübergreifend. Wie eine futuristische Landschaft zum Träumen.

Über den Tellerrand: Tianjin Binhai Library

Pharmacy of the Future

Retro-Design trifft auf High-Tech - die Pharmacy of the Future in Berlin hat nur noch wenig mit dem Bild einer herkömmlichen Apotheke zu tun. Das war auch die Absicht der Designer des Agenturbüros Studio Aisslinger aus Berlin. Denn sie haben sich für ihre Entwürfe auf die Fahnen geschrieben, stets Orte zu schaffen, in denen man Architektur erleben kann und zugleich „instagrammable Moments“ zu schaffen. Orte also, die sich besonders für Fotografien und deren Verbreitung auf den Sozialen Medien eignen.

Geometrische Formen gepaart mit den Farben Altrosa und Arztgrün ergeben in der Apotheke interessante Perspektiven. Glasbausteine statt undurchsichtiger Wände auch zum Labor und den Pausenräumen sorgen für Transparenz und wecken die Neugier der Besucher. Herzstück der Apotheke ist der raumhohe Kubus in dem ein Roboter seine Arbeit verrichtet. Er greift bestellte Medikamente und gibt sie an die Kunden aus. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kontrolliert ein Mitarbeiter das Rezept. Was uns diese Apotheke lehrt: Wenn man selbst beim Kopfschmerztablettenkauf schon so überrascht wird, was müssen dann heute Modeläden bieten?

Über den Tellerrand: Pharmacy of the Future in Berlin

Café in der Kathedrale

Kaffee trinken in der Kirche? Was lange undenkbar schien, ist in der größten Kathedrale der Benelux-Staaten nun möglich. In der kleinen Sint-John-Kapelle innerhalb der Kirche in Antwerpen wurde im Frühjahr dieses Jahres ein kleines Café untergebracht. Durchaus lohnenswert – wird doch das Gotteshaus von mehr als 280.000 Personen pro Jahr besucht. Für Frequenz ist also auf jeden Fall gesorgt. Und wo steht eigentlich geschrieben, dass in Gotteshäusern nichts ausgeschenkt werden darf? Schließlich trinken Priester und Ministranten auch gerne mal ein gutes Tröpfchen. Und ein Plus an Aufenthaltsqualität und Gastlichkeit kann den Kirchen in Zeiten schwindender Gläubigenzahlen sicher auch nicht schaden.

Das Design wurde von den Van Staeyen Interieur Architecten entworfen und ist modern, aber dennoch im Stil der Kathedrale umgesetzt: gotische Formen für die Fenster der Bar, der helle Blauton aus dem Glas der Kirchenfenster schmückt die Innenwand, und das Holz erinnert vom Aussehen her an die Holzart in der Kathedrale. Ausgeschenkt werden Kaffee, Tee und Softdrinks, aber auch das klostereigene Bier ist im Angebot. Den Status als Unesco Weltkulturerbe hat die Kathedrale dadurch nicht verloren. Aber vielleicht einige Fans hinzugewonnen.

Über den Tellerrand: Antwerp Cathedral Café

Fosbury & Sons

Selbstständigkeit, Home-Office, Co-Working – die Arbeit der Zukunft wird sich in vielen Fällen nicht in Großraumbüros von Unternehmen abspielen. Deswegen sprießen Co-Working-Spaces im Moment wie Pilze aus dem Boden und sie wollen den Menschen oft mehr bieten als nur Raum zum Arbeiten. Ein schönes Beispiel ist das neue Fosbury & Sons-Haus in Brüssel. Die Co-Working-Spezialisten haben dafür den ehemaligen Firmensitz der Zement-Firma CBR komplett umgebaut. Auf sieben von neun Etagen sind Arbeitsplätze für insgesamt 600 Leute und bis zu 250 Firmen entstanden. Es gibt große Gemeinschaftsräume aber auch Einzelbüros (Suiten), viel Platz zum Abhängen auf gemütlichen Sofas und verschiedene gastronomische Angebote.

Das Interior wurde vom Büro Going East entworfen und zeigt sich clean und minimalsitsich, dabei aber dennoch gemütlich und einladend. Alles ist so entworfen, dass man jederzeit mit anderen in Kontakt kommen kann, aber eben nicht muss. Auch städteplanerisch sind diese Konzepte ein Segen. Insbesondere große Immobilien, für die sich sonst nur schlecht Mieter finden würden, wie ehemalige Kaufhäuser oder verwaiste Firmensitze, sind wie gemacht für die Arbeitsplätze 2.0.

Über den Tellerrand: Fosbury and Sons in Brüssel



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