Let's dance

Rock’n’Roll, endlich wieder. Jenseits der bekannten High-Heel-Spezialisten erobert jetzt eine junge Riege an Schuhlabels die Konsumentinnen. Mit Party-Schuhen der Extraklasse. Mit Glitzer und Glamour, mit ordentlich Farbe, unkonventionellen Materialien und Shapes.

Foto: Paris Texas

Nach vielen Monaten in Sneakern und Boots haben die Frauen offenkundig Lust auf solch dekoratives Schuhwerk – und geben dafür mehrere hundert Euro aus. Ein Geschäftsfeld, in dem Musik ist.

Es ist die Crawford-Sandale von Gucci, die sich Filiz Türk gerade erst "gesichert" hat. Sie bringt einen gigantischen Absatz von nahezu 13 Zentimetern mit, außerdem ein massives Plateau. "Fragen Sie mich nicht, wann ich diesen Schuh tragen werde, aber ich habe ihn", sagt Türk. Nun könnte man meinen, dass Türk, die vor gut einem halben Jahr als Head of Shoes Division zum Wiener Luxus-Department-Store Steffl kam, um dort den Einkauf für die Schuhfläche The 6th Floor zu verantworten, eben an der verführerischen Quelle sitzt. Und daher nicht unbedingt ein Maßstab für den Shopping-Habitus der Allgemeinheit sein kann. Doch ist sie es im Moment sehr wohl. "Das hat sich so gewandelt in den letzten Wochen", beobachtet sie. "Die Frauen möchten jetzt keine Chunky-Shoes mehr. Sie wollen die femininen, auffälligen Schuhe mit Glitzer, mit Steinchen, tolle Party-Schuhe – und suchen nur noch nach der richtigen Occasion, um sie auszuführen."



Die sich aufbäumende Lust der Frauen, nach zwei Jahren Abstinenz Sneaker und Boots endlich mal wieder gegen High-Heels einzutauschen, das beobachten die Einkäufer auch hierzulande. "Es ist wieder Rock’n’Roll angesagt, die Frauen wollen wieder sexy sein", bringt es Winni Klenk von Abseits in Stuttgart auf den Punkt. "Aber nicht dämlich sexy, sondern sophisticated sexy." Was Klenk, der sehr gut die Modelle von Dsquared2 und Paris Texas verkauft, damit meint: Es geht nicht um das gehabte Bild von Galanterie, das alleine schon vom Namen her nicht mehr zu der gemeinten Ästhetik passt. Nicht um 08/15-Pumps in Schwarz.

Hier geht es um eine frische Riege an Evening- und Party-Schuhen, die sich – obgleich es einige der Marken und Brands schon seit Jahren gibt – über die zurückliegenden Monate hinweg neu sortiert, formiert und sich in Stellung gebracht hat für den richtigen Moment, der jetzt – post-Corona und stetig befeuert durch Influencerinnen wie Leonie Hanne, die das Tragen von Glam-Heels zelebrieren – da zu sein scheint. Zu diesem Kreis gehören Namen wie The Attico und Aquazzura, Toral, Mach & Mach und Studio Amelia, Paris Texas, Amina Muaddi und Giaborghini.

Ihre Styles stehen für Freshness, Coolness, Innovation, auch für eine gewisse Unverfrorenheit oder Verspieltheit. Es ist Sexyness, die in die Zeit passt. "Keine Frau würde jetzt den Schuh anziehen, den sie vor drei Jahren gekauft hat. Das ist ein anderer Schuh, das wäre outdatet", ist Charlotte Kraska von Anita Hass in Hamburg überzeugt.

Dabei lässt sich nicht einmal pauschal sagen, was dieses neue Ensemble an Party-Schuhen en détail ausmacht. Jeder Style, jede Kollektion überzeugt auf individuelle Art und Weise – und das ist gut so. Mal sind es, wie bei Amina Muaddi, die skulpturalen Absätze, um die ein Hype entsteht. Mal eher mädchenhafte Attribute wie die Doppelschleife bei Mach & Mach. Mal ist es das Spiel mit Materialität, mit Satin, Neopren oder transparentem PVC. Mal aber auch einfach eine nie dagewesene Vielfalt an Farben. "Giaborghini hatte zuletzt eine Range von bestimmt 26 Farben zu bieten", erinnert sich Kraska.

Es sei schlichtweg der Hunger auf das Besondere, beschreibt es Simone Heift von der KaDeWe Group kürzlich in einem Gespräch. Dieser lässt die Frauen denn auch Preise zahlen, die zum Teil an der 1000 Euro-Marke kratzen, en gros doch aber zumindest bei 300 bis 650 Euro liegen. Immer wieder sind Modelle ausverkauft. Und nicht nur die mit 13 Zentimetern Absatz.

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