Paris während der Fashion Week - da sind die Department Stores auf Hochglanz geputzt, da leuchten die Neonröhren an den Luxusläden doppelt so hell. Und es wird herausgestellt, was der Trend nur so hergibt. Fast genauso interessant also, was es am Rande der Schauen zu sehen gibt. Auch wenn sich die Bilder in den Metropolen gleichen, so lassen sich doch immer wieder Anregungen für Visual Merchandising wie Sortimentsgestaltung entdecken. Die zurzeit womöglich spannendsten Inszenierungen präsentieren Le Bon Marché und Galeries Lafayette. "Geek mais chic", also exzentrisch, aber schick - unter dieses Motto stellt Le Bon Marché seine Pop up-Fläche, die eine Idee von Shopping im dritten Jahrtausend vermitteln soll. Rund 80 Marken wurden dafür zusammengetragen. Im Zentrum steht die These, dass der Konsumprozess sich weiter in Richtung Customizing, Personalisierung und Unikat entwickeln wird.

Vieles davon geschieht mittels neuer Technik: "Kreiere Dein eigenes T-Shirt mit der Stimme", fordert etwa "Levi's on Air" auf. L/Uniform, die anspruchsvollen Canvas-Taschen sind ebenso individuell zu konfiguren wie die Schuhe von Bettina Vermillon mit einem Absatz-Baukasten oder die Düfte des Parfüm-Konzepts Sillages. Sehr neu am Markt und bislang nur online verfügbar.

Aber auch außerhalb von Le Bon Marché breiten sich immer mehr Customizing-Konzepte aus. So ist zurzeit La bouche rouge in Frankreich sehr populär: Jede Frau kann sich hier ihre eigene Lippenstift-Farbe zusammenstellen - Merci veranstaltet in diesen Tagen Events mit dem Label. Weniger subtil, dafür sehr effektvoll die aktuelle Inszenierung von Galeries Lafayette unter der Überschrift "Funorama".  Kein Besucher kommt daran vorbei. Alle werden nicht nur am Eingang von großen Screen-Bergen, fettem Kabel-Salat und Neon-Parolen empfangen.

Das Thema "Spielwiese" zieht sich poppig, farbenfroh und abwechslungsreich durchs ganze Haus - einschließlich echter Flipper-Geräte. Highlight und Magnet ist der gläserne Balkon, auf dem sich die Gäste unter der berühmten Kuppel fotografieren lassen möchten. Allein durch die Warteschlange dafür sind hohe Verweildauern im Haus garantiert.

Fenster im Funorama-Stil

Natürlich werden alle Fenster im Funorama-Stil damit bespielt, selbst die des großen Einrichtungshauses auf der anderen Straßenseite. Übrigens trägt jede Puppe in diesem Szenario ein cooles Badge am Hals, das den Kunden alles Wissenswerte über ihr Outfit bekanntgibt, bis hin zur Etage, wo das jeweilige Teil zu finden ist - simple Kunden-Führung. Bei Le BHV am Eingang zum Marais ist es auch eine einfache Idee, unter der sich aber die unterschiedlichsten Sortimentsbereiche des traditionellen Departmentstores zusammen harmonisch darstellen lassen: "Seemann und gesalzene Butter". Zu diesem Thema in Rot/Weiß/Blau passen Handtücher genauso wie Möbel, Leuchten, Sommer-Outfits. Simpel und wirkungsvoll. Modisch steht Paris ganz im Zeichen des Kleids. Nicht nur bei Merci, wo groß "Merci la Robe" proklamiert wird und eine Kleider-Promenade an einer langen Leiter hängt, die quer unter der Decke angebracht ist.

Montaigne Market beispielsweise, dieser Luxus-Store, der sein Sortiment stets nach Farben sortiert, baut strenge Puppenreihen, die das Kleid in all seinen Facetten visualisieren.

Viele luftige Sommerröcke

Darüber hinaus sind generell luftige Sommerröcke in den Sortimenten schon jetzt sehr viel häufiger zu sehen als im vorigen Sommer. Meist waden- bis knöchellang. Sie werden oftmals im Bruch zu strengen Blusen oder herben Jacken kombiniert, so dass der Look einen Tick moderner wirkt als das simple Sommerkleid.

Bei den Dessins überwiegen zurzeit Allovers in hellen Bicolors, extrem intensive Farbigkeiten hingegen sieht man bislang eher bei modischen Vertikalen. Doch die Saison hat ja gerade erst begonnen - auch in Paris.
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