Farbe – mit Sicherheit eines der wichtigsten Themen in der Womenswear zur neuen Orderrunde. Zugleich extrem komplex. Standen doch kaum jemals so viele so unterschiedliche und so mutige Nuancen gleichzeitig bereit. Und der jüngste Herbst hat ja bereits demonstriert, dass selbst schräge, früher verpönte Töne heute gut bei modisch aufgeschlossenen Konsumentinnen funktionieren. Ja, mehr noch: Der Markt saugt Farbe auf.


Fest steht also, dass es davon zur nächsten Runde unbedingt mehr braucht. Fest steht ebenso, dass sich der Einkauf nicht zwangsläufig für ein, zwei Farbströmungen entscheiden muss. Denn zweite Erkenntnis ist, dass viele Farben miteinander funktionieren, die früher als unverträglich betrachtet wurden. Flieder zum Beispiel, ein sehr sensibler Ton, kann mit den neuen Braun/Beige-Schattierungen genauso gut kombiniert werden wie mit dem kräftigen, populären Royalblau oder einem Puderton. Experimente in Farbkombinationen zählen ebenso zum Prinzip des kommenden Herbstes wie der Mix von Mustern oder Materialien. Und die Faustregel dabei: Je größer die Farbflächen, die zueinander gestellt werden, desto moderner.

Alles in allem sinkt unter diesen Voraussetzungen die Gefahr, dass Farb-Restanten später nirgendwo mehr unterzubringen sind. Welche sechs großen Farbströmungen in den Kollektionen zu sehen sein werden – hier ein Überblick. Grenzgänger und -überschreitungen inbegriffen.

Rot

Erprobt. Doch noch längst nicht ausgereizt, der unvergängliche Publikumsliebling. Kräftige bis knallige Rottöne, punktuell unterfüttert durch Bordeaux und Barolo. Mitunter aufgemischt durch Orange. Der Übergang zu Lila ist teilweise fließend. Rot ist wohl eine der stärksten Farben mit Blick auf Prints.

Rosa-Pink

Auch nicht neu. Doch noch mutiger interpretiert im Zusammenspiel mit anderen Couleurs. Richtig Rosa. Pink mit Power. Zu Lila. Zu Mohnrot genauso wie zu Bordeaux. Auch zu Royal oder Grasgrün. Pullis und Strickjacken spielen bei Intarsien jetzt häufig mit solch beherzten Kombinationen. Grundsätzlich wirken sie, wie alle starken Farben, auf wertigen Materialien natürlich besser als auf flacher Viskose.

Gelb

Wer hätte das gedacht? Schon im Herbst 2017 Aufsteiger: Gelbtöne mit leichtem Senf-Akzent. Davon hätte manches Modehaus mehr verkaufen können. Entsprechend regelmäßig sind diese hellen Farbtöne jetzt in den Kollektionen vertreten, meist warm interpretiert bis in die Goldrichtung. Materialien mit leichtem Flor wie Cord, Velours, Samt-Oberflächen lassen die Farben zudem wärmer erscheinen. Über Gold und Ocker bewegt sich die Gelbschiene übrigens schrittweise in Richtung Kupfer, Khaki, Laub- und Erdtöne.

Grün

Metallisch, so das Zauberwort. Ob Khaki oder Schlammgrün, ob Erbse oder Jade – oft liegt ein changierender Schimmer drauf und gibt dem Ganzen mehr Tiefe. Entsprechend oft werden diese Farbnuancen im Materialmix realisiert: Plüsch zu Nylon, Samt zu Satin, Wolle zu metallisierten Stoffen. Darüber hinaus kann ein kleiner Ticken Grasgrün oder ein Schuss Apfel das Farbbild hinreißend auffrischen. So, wie es ein freches Pink zum Beispiel bei Rot schafft.
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Gitanes

Royal. Cyan. Yves Klein. Kobalt. Leuchtende Blautöne sind sicherlich eine der harmlosesten Farbfamilien und von den Kundinnen in diesem Herbst bereits wohlwollend aufgenommen. Ein populärer Farbakzent für den Zugleich ist es nicht die prickelndste Geschichte – Royalblau im Kleinen wirkt schnell bieder. Am interessantesten wirken großflächige Teile wie Mäntel oder Kleider – und ganze Outfits, die mit dem strahlenden Blau spielen.

Lila

Die Farbe des Jahres 2018. Dieser Trend war spätestens nach den jüngsten Designerschauen unübersehbar. Keine Kollektion ohne Lila. Jetzt obendrein amtlich bestätigt durch Pantone. Und in der Tat ist allerorten zu spüren, wie sich die Wahrnehmung dieser früher so überaus kritisch bewerteten Farbtöne wandelt. Von „Lila, der letzte Versuch“ zu „Lila, ultimativ“: Ultra-Violett gibt jedem Look eine moderne Prise. Speziell die braun- und beigehaltigen Glenchecks bekommen einen ungewohnten Dreh dadurch. Und selbst Flieder, bislang nicht besonders erfolgreich, könnte unter diesem Aspekt an Relevanz gewinnen.